Von Ashwagandha raten wir in Schwangerschaft und Stillzeit ab: Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt seit September 2024 ausdrücklich Verzicht, weil Sicherheitsdaten für diese Gruppen fehlen. Ein bewiesener Schaden ist das nicht – aber die Datenlücke reicht für die Empfehlung. Sprich Alternativen für Ruhe und Energie am besten mit deiner Hebamme oder Ärztin ab.
Schwanger oder in der Stillzeit, und im Küchenschrank steht noch die Ashwagandha-Dose von vor der Schwangerschaft? Verständlich, dass du jetzt wissen willst, ob du sie weiter nehmen kannst – die Wurzel gilt schließlich als sanftes Naturmittel gegen Stress und für besseren Schlaf. Die ehrliche Antwort vorweg: Aktuell raten wir in Schwangerschaft und Stillzeit davon ab – nicht aus Panikmache, sondern weil das Bundesinstitut für Risikobewertung genau das im September 2024 offiziell empfohlen hat. Hier bekommst du die ehrliche Einordnung: was hinter der alten Geschichte vom „Abtreibungsmittel“ steckt, was die aktuelle Datenlage wirklich hergibt – und was dir stattdessen zuverlässig durch stressige Tage und unruhige Nächte hilft.
Was ist Ashwagandha?
Ashwagandha (botanisch Withania somnifera) ist ein Nachtschattengewächs aus Indien, dessen Wurzel seit über 3.000 Jahren im Ayurveda verwendet wird – dort als sogenanntes Rasayana, ein traditionelles Stärkungsmittel. Im Deutschen sind auch die Namen „Schlafbeere“ und „Winterkirsche“ gebräuchlich. Verkauft wird die Wurzel heute meist als Pulver oder als konzentrierter Extrakt, standardisiert auf ihren Gehalt an Withanoliden, den charakteristischen Pflanzenstoffen der Wurzel.
Wichtig für die Einordnung: In Europa ist Ashwagandha kein zugelassenes Arzneimittel, sondern wird als Nahrungsergänzungsmittel verkauft – rechtlich wie ein Lebensmittel behandelt, nicht wie ein Medikament, das vor dem Verkauf eigens auf Sicherheit geprüft wird. Die Verantwortung, bei bestimmten Lebenssituationen genauer hinzuschauen, liegt damit erst einmal bei dir.
Wie wirkt Ashwagandha?
Der Wurzel werden traditionell ausgleichende, „adaptogene“ Eigenschaften zugeschrieben: Sie soll dem Körper helfen, mit Belastung besser umzugehen, und wird deshalb gern bei Stress, für die Abendroutine oder in fordernden Lebensphasen genommen. Die Withanolide gelten als die Stoffgruppe, die dabei im Körper aktiv wird und unter anderem mit Nerven-, Hormon- und Immunsystem in Wechselwirkung tritt.
Genau dieser Punkt ist für Schwangerschaft und Stillzeit entscheidend: Ein Pflanzenstoff, der im Körper der Mutter auf Hormone, Stoffwechsel und Nervensystem einwirkt, kann grundsätzlich auch das ungeborene Kind über die Plazenta erreichen oder in die Muttermilch übergehen. Ob und in welchem Maß das bei Ashwagandha passiert, ist bislang schlicht nicht ausreichend erforscht – und genau diese Lücke, nicht ein bewiesener Schaden, ist der Kern der Vorsicht, die Behörden hier walten lassen.
Für wen ist das interessant?
Dieser Artikel ist für dich, wenn du schwanger bist oder stillst und gern zu Ashwagandha greifen würdest – gegen den Stress des Alltags, für ruhigere Nächte oder einfach, weil die Kapseln schon vor der Schwangerschaft zu deiner Routine gehörten. Der Wunsch nach natürlicher Unterstützung in dieser fordernden Zeit ist absolut nachvollziehbar.
Er ist genauso für dich, wenn du Ashwagandha bereits eingenommen hast, bevor du von der Schwangerschaft wusstest, und jetzt einschätzen willst, ob das ein Problem ist. Und er ist für Partner, Familie oder Freundinnen, die im Reformhaus oder online vor der Kaufentscheidung stehen und eine klare, verlässliche Antwort brauchen, statt sich durch widersprüchliche Foren-Threads zu lesen.
Die Gründe, aus denen Schwangere zu einem Adaptogen wie Ashwagandha greifen möchten, ändern sich dabei mit der Zeit: Im ersten Drittel sind es oft die Erschöpfung der Hormonumstellung und die Unsicherheit der ersten Wochen, im letzten Drittel eher die Anspannung vor der Geburt oder Schlaflosigkeit durch den wachsenden Bauch. So verständlich der Wunsch nach Unterstützung in jeder dieser Phasen ist – die Antwort auf die Sicherheitsfrage bleibt über die ganze Schwangerschaft hinweg dieselbe.
Einnahme & Dosierung
Außerhalb von Schwangerschaft und Stillzeit bewegen sich übliche Tagesmengen bei standardisierten Extrakten meist im Bereich von 300 bis 600 mg, bei reinem Wurzelpulver eher im Gramm-Bereich – jeweils orientiert an der Herstellerangabe, denn offizielle Referenzwerte gibt es für Ashwagandha ohnehin nicht.
In der Schwangerschaft und Stillzeit gilt keine dieser Zahlen. Es gibt hier keine empfohlene Dosis – auch keine „niedrige, sichere“ Menge –, weil die Datenlage dafür nicht ausreicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat im September 2024 in einer eigenen Mitteilung unmissverständlich festgehalten: Weil Daten zur Sicherheit von Ashwagandha für Schwangere, Stillende und Kinder fehlen, wird gerade diesen Gruppen von der Einnahme entsprechender Präparate abgeraten. Einen Richtwert für eine unbedenkliche Aufnahmemenge konnte das BfR auf Basis der vorliegenden Daten bislang für niemanden ableiten – auch nicht für gesunde Erwachsene außerhalb dieser Zeit.
Für dich heißt das ganz praktisch: Nimm in dieser Zeit kein Ashwagandha-Präparat auf eigene Faust – egal ob Kapsel, Pulver in warmer Milch oder Tee. Sprich stattdessen mit deiner Frauenärztin, deinem Frauenarzt oder deiner Hebamme, bevor du irgendein pflanzliches Mittel gegen Stress oder Schlafprobleme nimmst. Sie kennen deine individuelle Situation, mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und können einschätzen, was für dich infrage kommt.
Worauf du beim Kauf achten solltest
Weil es in dieser Phase nicht um die richtige Dosis geht, sondern ums Meiden, lohnt sich hier ein anderer Blick: Ashwagandha steckt oft versteckt in Kombipräparaten – in Stress-Komplexen, „Gute-Nacht“-Kapseln, Adaptogen-Mischungen oder fertigen Mondmilch-Pulvern, häufig zusammen mit Baldrian, Ginseng oder Rhodiola. Wirf deshalb auch bei vermeintlich harmlosen Nahrungsergänzungsmitteln oder Tees einen Blick auf die Zutatenliste, bevor du in dieser Zeit etwas Neues ausprobierst.
Was stattdessen wirklich hilft, ist gut belegt und ganz ohne offene Sicherheitsfrage:
- Magnesium: trägt zu einer normalen Muskelfunktion und zu einer Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei und gilt in der Schwangerschaft als gut untersucht.
- Feste Abendroutine: gleiche Schlafenszeit, warme Dusche, kein Bildschirm mehr in der letzten halben Stunde vor dem Schlafen.
- Bewegung am Tag: ein kurzer Spaziergang am Nachmittag baut Anspannung ab und verbessert spürbar die Schlafqualität.
- Atemübungen oder leichtes Dehnen: wirken direkt vor dem Schlafengehen beruhigend, ganz ohne Nebenwirkungsfrage.
- Gespräch statt Grübeln: Sorgen mit Partner, Hebamme oder einer guten Freundin zu teilen, entlastet oft mehr als jede Kapsel.
Sobald Schwangerschaft und Stillzeit vorbei sind, gelten für Ashwagandha wieder die üblichen Qualitätskriterien: ein klar deklarierter Withanolid-Gehalt, ein transparentes Extraktverhältnis, unabhängige Laborprüfung und – gerade weil die Wurzel Stoffe aus dem Boden aufnimmt – möglichst kontrolliert biologischer Anbau.
Ehrlich eingeordnet
Ein Punkt verdient eine ehrliche Einordnung, weil er dir beim Googeln garantiert begegnet: Ashwagandha wird in einigen traditionellen und historischen Quellen eine Verwendung zur Beendigung einer Schwangerschaft nachgesagt – diese Überlieferung war 2012 mit ein Grund, warum das BfR die Wurzel überhaupt erstmals genauer geprüft hat. Eine aktuelle wissenschaftliche Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 stellt allerdings infrage, wie belastbar diese alten Quellen wirklich sind, und findet weder in Tierstudien noch in den vorliegenden Humandaten einen klaren Beleg für eine fruchtschädigende Wirkung bei normaler Anwendung. Weder das eine noch das andere ist damit bewiesen.
Genau diese Unsicherheit – nicht eine erwiesene Gefahr – ist der Grund für die aktuelle Vorsicht. Hinzu kommt ein zweiter, davon unabhängiger und sehr aktueller Punkt: Seit 2017 häufen sich weltweit auch Fallberichte zu Leberschäden im Zusammenhang mit Ashwagandha-Präparaten, in seltenen, schweren Fällen bis hin zum Leberversagen. Das betrifft grundsätzlich alle Erwachsenen, nicht nur Schwangere – erklärt aber zusätzlich, warum Behörden aktuell so klar zur Zurückhaltung raten, gerade in einer Zeit, in der dein Körper ohnehin mit veränderter Stoffwechsel- und Leberarbeit beschäftigt ist.
Passende Produkte von Scheunengut
An dieser Stelle nennen wir normalerweise passende Präparate aus unserem Sortiment – das lassen wir hier bewusst weg. Unsere Ashwagandha-Produkte, ob Bio-Wurzelpulver oder standardisierter Extrakt, sind für die allgemeine Anwendung außerhalb von Schwangerschaft und Stillzeit formuliert. Dir hier trotzdem eines davon zu empfehlen, wäre unehrlich – und würde der eigenen Sicherheitseinschätzung von weiter oben widersprechen.
Sobald du nicht mehr schwanger bist oder abgestillt hast, findest du in unserem großen Ashwagandha-Ratgeber die passende Übersicht zu Extrakten, Withanolid-Gehalt und Qualitätsmerkmalen. Bis dahin gilt: Sprich mit deiner Hebamme oder Ärztin, welche Unterstützung in deiner aktuellen Situation infrage kommt.
Häufige Fragen (FAQ)
Darf ich Ashwagandha in der Schwangerschaft nehmen?
Aktuell raten wir davon ab. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat im September 2024 offiziell empfohlen, dass insbesondere Schwangere, Stillende und Kinder auf Ashwagandha-Präparate verzichten sollten, weil ausreichende Sicherheitsdaten für diese Gruppen fehlen.
Ist Ashwagandha in der Stillzeit erlaubt?
Auch in der Stillzeit wird abgeraten. Es gibt praktisch keine veröffentlichten Daten dazu, ob und in welcher Menge die Inhaltsstoffe in die Muttermilch übergehen oder wie sie auf ein gestilltes Kind wirken – diese Wissenslücke allein reicht für einen Verzicht in dieser Zeit.
Stimmt es, dass Ashwagandha früher als Mittel zur Beendigung einer Schwangerschaft galt?
In einigen traditionellen Quellen wird das so überliefert, und diese Überlieferung war mit ein Grund für frühe behördliche Sicherheitsprüfungen. Eine aktuelle Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 stellt die Belastbarkeit dieser alten Quellen jedoch infrage und findet keinen klaren modernen Beleg dafür – bewiesen ist damit weder die Gefahr noch die Entwarnung.
Ich habe Ashwagandha genommen, bevor ich von meiner Schwangerschaft wusste – ist das schlimm?
Grund zur Panik ist das nach aktueller Datenlage nicht, denn ein bewiesener Schaden liegt nicht vor – die Vorsicht beruht auf einer Datenlücke, nicht auf einem nachgewiesenen Risiko. Sprich es trotzdem kurz mit deiner Hebamme oder Ärztin an und pausiere die Einnahme ab jetzt, dann bist du auf der sicheren Seite.
Warum warnt das BfR vor Ashwagandha, wenn es doch als sanftes Adaptogen gilt?
Weil seit 2017 weltweit Fallberichte zu teils schweren Leberschäden im Zusammenhang mit Ashwagandha-Präparaten aufgetaucht sind und die Datenlage insgesamt zu dünn ist, um eine sichere Aufnahmemenge festzulegen. Das betrifft alle Erwachsenen, trifft Schwangere, Stillende und Kinder als Gruppen ganz ohne Sicherheitsdaten aber besonders.
Was hilft in der Schwangerschaft stattdessen bei Stress oder Schlafproblemen?
Magnesium ist in der Schwangerschaft gut untersucht und trägt zu einer normalen Muskelfunktion sowie zu einer Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei. Dazu wirken feste Abendroutinen, ein Spaziergang am Nachmittag und Atemübungen vor dem Schlafengehen zuverlässig – ganz ohne offene Sicherheitsfrage.
Ab wann kann ich nach der Geburt oder dem Abstillen wieder Ashwagandha nehmen?
Eine pauschale Wochen- oder Monatsangabe gibt es dafür nicht. Sobald du nicht mehr schwanger bist und nicht mehr stillst, gelten die üblichen Qualitäts- und Dosierungskriterien für Erwachsene wieder – im Zweifel sprichst du den Zeitpunkt am besten kurz mit deiner Ärztin oder Hebamme ab.
Gesundheitshinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in Schwangerschaft und Stillzeit oder bei der Einnahme von Medikamenten halte bitte Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt. So entstehen unsere Ratgeber →
Quellen
- Ashwagandha: Schlafbeeren-Präparate mit möglichen Gesundheitsrisiken (Mitteilung 039/2024) — Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2024
- A Systematic and Ethnobotanical Review of Ashwagandha's (Withania Somnifera) Teratogenic and Abortifacient Potentials — Phytotherapy Research (PubMed), 2025
- Withania (Ashwagandha) – Drugs and Lactation Database (LactMed) — National Institute of Child Health and Human Development (NIH), 2024
- Final Public Statement on Withania somnifera (L.) Dunal, radix — European Medicines Agency – Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), 2013
- Efficacy and safety of Ashwagandha (Withania somnifera) root extract in pregnant women: a prospective, randomized, comparative, open-label, 12-week study — Frontiers in Global Women's Health (PMC), 2026


















