Kurz erklärt

Kollagen gibt es in vielen Formen, drei dominieren: Typ I steckt in Haut, Knochen und Sehnen, Typ II vor allem im Knorpel, Typ III oft gemeinsam mit Typ I in Haut und Gefäßen. Sie unterscheiden sich in Struktur und Fundort.

Kollagen ist das häufigste Protein im menschlichen Körper - und es gibt es nicht in einer einzigen Ausführung. Fachleute unterscheiden inzwischen mehr als zwei Dutzend Typen, doch im Alltag und auf Etiketten von Nahrungsergänzungsmitteln tauchen fast immer nur drei auf: Typ I, Typ II und Typ III. Wofür stehen diese Zahlen, wo sitzen die einzelnen Typen im Körper, und worauf solltest du achten, wenn du ein Produkt auswählst? Genau das klären wir hier.

Was Kollagen-Typen überhaupt sind

Kollagen ist ein Strukturprotein. Man kann es sich wie ein Gerüst vorstellen, das Gewebe zusammenhält und ihm Zugfestigkeit gibt. Aufgebaut ist es aus langen Aminosäureketten, die sich zu einer charakteristischen Dreifachhelix verdrehen - drei Stränge, die sich umeinander winden wie ein Seil. Die Bausteine sind vor allem die Aminosäuren Glycin, Prolin und Hydroxyprolin.

Der entscheidende Punkt: Nicht jede Dreifachhelix ist gleich aufgebaut. Je nachdem, welche Ketten sich verbinden und wie sie sich anordnen, entsteht ein anderer Kollagen-Typ mit anderen mechanischen Eigenschaften. Diese Typen werden mit römischen Ziffern nummeriert. Die Nummerierung folgt grob der Reihenfolge ihrer Entdeckung, nicht ihrer Wichtigkeit. Wenn du tiefer in die grundsätzliche Funktionsweise einsteigen willst, lohnt ein Blick auf unseren Überblick zu Kollagen, seinen Formen und Peptiden.

Typ I, II und III im Detail

Diese drei Typen decken den Großteil des Kollagens im Körper ab und sind zugleich die, die dir in Pulvern und Kapseln begegnen. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wo sie sitzen und welche Aufgabe das Gewebe an dieser Stelle hat.

Typ I - das Allrounder-Kollagen

Typ I ist mit Abstand das häufigste Kollagen im menschlichen Körper. Es bildet den Hauptbestandteil von Haut, Knochen, Sehnen, Bändern und der Hornhaut des Auges. Charakteristisch sind seine dicht gepackten Fasern, die enorme Zugfestigkeit liefern - deshalb findet man Typ I überall dort, wo Gewebe Belastung standhalten muss. In Nahrungsergänzungsmitteln stammt Typ-I-Kollagen meist aus Rinderhaut oder aus Fisch (marines Kollagen). Es wird dort in der Regel als hydrolysiertes Kollagen beziehungsweise als Kollagenpeptide verarbeitet, also in kleinere Bruchstücke zerlegt, damit es sich gut in Flüssigkeit löst.

Typ II - das Knorpel-Kollagen

Typ II ist der dominierende Kollagen-Typ im Knorpelgewebe - also in dem elastischen Material, das Gelenkflächen überzieht und zwischen den Bandscheiben liegt. Anders als der zugfeste Typ I ist Typ II eher auf Druckbelastung und Elastizität ausgelegt und in eine wasserreiche Grundsubstanz eingebettet. In Produkten wird Typ II häufig aus Hühnerknorpel gewonnen. Eine Besonderheit: Manche Präparate setzen auf sogenanntes nativ es oder undenaturiertes Typ-II-Kollagen (oft als UC-II bezeichnet), das bewusst nicht hydrolysiert wird, damit seine dreidimensionale Struktur erhalten bleibt. Das ist ein anderer Ansatz als die klassischen Peptide.

Typ III - der Partner von Typ I

Typ III kommt selten allein vor. Meist findet man es dort, wo auch Typ I sitzt - in der Haut, in Blutgefäßen und in inneren Organen. Es bildet feinere, netzartige Fasern und tritt oft gemeinsam mit Typ I auf, wobei beide zusammen die Struktur und Dehnbarkeit von Bindegewebe prägen. In Rinderkollagen-Produkten sind Typ I und Typ III deshalb häufig kombiniert enthalten, was auf dem Etikett dann als "Typ I & III" ausgewiesen wird.

Woher das Kollagen im Produkt stammt

Die Quelle bestimmt maßgeblich, welcher Typ drinsteckt. Grob lassen sich die gängigen Rohstoffe so einordnen:

Rind (bovin): liefert vorwiegend Typ I und III. Klassische Wahl für Produkte, die auf Haut und allgemeines Bindegewebe abzielen.

Fisch (marin): überwiegend Typ I. Marines Kollagen gilt als besonders gut löslich; die Peptide sind oft klein. Für Menschen, die kein Rind konsumieren möchten, eine verbreitete Alternative.

Huhn: die typische Quelle für Typ II, weil Hühnerknorpel reich daran ist.

Schwein (porcin): ebenfalls reich an Typ I und III, aus religiösen oder persönlichen Gründen aber nicht für jeden geeignet.

Ein Detail am Rande: Rein pflanzliches Kollagen gibt es nicht - Kollagen ist ein tierisches Protein. Produkte, die mit "veganem Kollagen" werben, enthalten in der Regel Nährstoffe und Aminosäuren, die der Körper für die eigene Kollagenbildung nutzt, nicht das fertige Protein selbst.

Für wen welcher Typ interessant ist

Aus der Verteilung im Körper ergibt sich eine naheliegende Logik, nach der Produkte oft ausgerichtet sind: Typ I und III werden vorrangig in Präparaten mit Bezug zu Haut und Bindegewebe eingesetzt, Typ II in solchen mit Bezug zum Knorpel. Ob und in welchem Umfang zugeführtes Kollagen tatsächlich in genau diesem Zielgewebe ankommt, ist wissenschaftlich allerdings nicht abschließend geklärt - dazu weiter unten mehr.

Wichtig zu wissen: Kollagen ist ein Protein und wird bei der Verdauung wie andere Proteine in Aminosäuren und kleine Peptide zerlegt. Der Körper entscheidet selbst, wofür er diese Bausteine verwendet. Der Kollagen-Typ im Produkt ist also weniger eine Adresse, an die etwas geliefert wird, als vielmehr ein Hinweis auf Herkunft und Aminosäureprofil des Rohstoffs. Wie sich Kollagen von anderen Protein- und Aktivstoffen abgrenzt, beleuchten unsere Vergleiche zu Kollagen und Whey-Protein, zu Kollagen und Hyaluronsäure sowie im Kurzformat zu Kollagen und Hyaluron.

Ein weiterer Punkt, der oft untergeht: Auch die Portionsgröße unterscheidet sich stark zwischen den Typen. Peptidprodukte aus Typ I und III werden im Grammbereich dosiert, weil sie als Proteinlieferant gedacht sind. Natives Typ II arbeitet mit sehr kleinen Mengen im Milligrammbereich, weil hier nicht die Masse, sondern die erhaltene Molekülstruktur im Vordergrund steht. Wer beide Ansätze vergleicht, sollte die Zahlen auf dem Etikett also nicht eins zu eins gegeneinanderhalten - sie folgen einer völlig unterschiedlichen Logik.

Einnahme und Qualität in der Praxis

Bei Typ I und III in Peptidform sind Pulver zum Einrühren am verbreitetsten. Übliche Portionsgrößen in der Praxis liegen häufig im Bereich mehrerer Gramm pro Tag; die genaue Menge steht auf der jeweiligen Verpackung und sollte nicht ohne Grund überschritten werden. Hydrolysierte Peptide lösen sich in kaltem wie warmem Wasser, in Kaffee oder in Smoothies. Native Typ-II-Präparate werden dagegen meist niedrig dosiert als Kapsel eingenommen, weil es hier auf die erhaltene Struktur ankommt und nicht auf die Menge.

Ein sinnvoller Begleiter ist Vitamin C. Der zugelassene EU-Health-Claim lautet: Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut bei. Deshalb kombinieren viele Hersteller Kollagen mit Vitamin C, oder du nimmst es zu einer vitamin-C-reichen Mahlzeit ein.

Worauf du bei der Qualität achten kannst: eine klar deklarierte Rohstoffquelle (Rind, Fisch, Huhn), Angaben zum Typ, ein nachvollziehbarer Verarbeitungsgrad (hydrolysiert versus nativ) sowie idealerweise Hinweise auf Herkunft und Reinheitsprüfung. Ein hochwertiges Produkt versteckt seine Quelle nicht.

Ehrlich eingeordnet: was gesichert ist und was nicht

Gesichert ist die Biologie: Es gibt verschiedene Kollagen-Typen, sie sitzen an unterschiedlichen Stellen im Körper und erfüllen dort verschiedene mechanische Aufgaben. Ebenfalls klar ist, dass Kollagen ein hochwertiges Protein mit einem besonderen Aminosäureprofil ist und dass Vitamin C an der körpereigenen Kollagenbildung beteiligt ist.

Weniger eindeutig ist die Studienlage dazu, welchen konkreten Nutzen die orale Einnahme einzelner Kollagen-Typen für Haut, Gelenke oder Bindegewebe hat. Hier gibt es Untersuchungen mit unterschiedlichen Ergebnissen, aber keinen abschließenden Konsens, und viele Effekte sind nicht als gesundheitsbezogene Aussagen zugelassen. Kollagen ist ein Lebensmittel beziehungsweise Nahrungsergänzungsmittel, kein Arzneimittel. Wenn du konkrete Beschwerden hast - etwa an Gelenken oder Haut -, ersetzt ein Präparat keine ärztliche Abklärung. Sprich solche Themen im Zweifel mit einer Ärztin oder einem Arzt durch.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Kollagen Typ I und Typ III?

Beide kommen häufig gemeinsam vor, vor allem in Haut und Blutgefäßen. Typ I bildet dicke, sehr zugfeste Fasern und dominiert zusätzlich in Knochen und Sehnen. Typ III bildet feinere, netzartige Fasern und ergänzt Typ I im Bindegewebe. In Rinderkollagen sind sie oft als "Typ I & III" kombiniert.

Welcher Kollagen-Typ ist der beste?

Einen pauschal "besten" Typ gibt es nicht - es kommt auf das Ziel an. Typ I und III werden meist mit Haut und Bindegewebe in Verbindung gebracht, Typ II mit Knorpel. Da Kollagen im Körper ohnehin in Aminosäuren zerlegt wird, ist die Herkunft und Qualität des Produkts oft wichtiger als die reine Typ-Nummer.

Woraus wird Kollagen Typ II gewonnen?

Typ-II-Kollagen stammt in der Regel aus Hühnerknorpel, weil dieses Gewebe besonders reich an diesem Typ ist. Es wird häufig als natives beziehungsweise undenaturiertes Kollagen (UC-II) angeboten, das bewusst nicht hydrolysiert wird, um seine dreidimensionale Struktur zu erhalten.

Gibt es veganes Kollagen mit Typ I, II oder III?

Nein. Kollagen ist grundsätzlich ein tierisches Protein und kommt in dieser Form nicht in Pflanzen vor. Produkte mit dem Label "veganes Kollagen" enthalten meist Aminosäuren und Nährstoffe wie Vitamin C, die der Körper für die eigene Kollagenbildung nutzt, aber nicht das fertige Kollagen selbst.

Sollte ich Kollagen mit Vitamin C kombinieren?

Das ist verbreitet und sinnvoll begründbar: Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut bei. Viele Kollagenprodukte enthalten Vitamin C bereits, andernfalls kannst du dein Kollagen zu einer vitamin-C-reichen Mahlzeit einnehmen. Eine ärztliche Abklärung ersetzt das nicht.

War dieser Artikel hilfreich?

Gesundheitshinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in Schwangerschaft und Stillzeit oder bei der Einnahme von Medikamenten halte bitte Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt. So entstehen unsere Ratgeber →

Quellen

  1. Collagen — NIH - MedlinePlus / National Library of Medicine, 2023
  2. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 - Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben (Vitamin C, Kollagenbildung) — EUR-Lex / Europäische Union, 2012
  3. Collagen types and linked disorders — NIH - National Center for Biotechnology Information (StatPearls), 2023