Kurz erklärt

Nein, Ashwagandha macht nach heutigem Wissensstand nicht dick. Eine Gewichtszunahme durch die Wurzel selbst ist nicht belegt. Ein Abnehmmittel ist sie ebenso wenig, einen zugelassenen Gesundheitsclaim dazu gibt es nicht. Das BfR rät Kindern, Schwangeren, Stillenden und Menschen mit Lebererkrankung von Ashwagandha-Präparaten ab.

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Nein, Ashwagandha macht nach heutigem Wissensstand nicht dick. Eine Gewichtszunahme durch die Wurzel selbst ist nicht belegt. Ein Abnehmmittel ist sie aber ebenso wenig. Und dann gibt es noch eine Warnung des Bundesinstituts für Risikobewertung, die du kennen solltest, bevor du irgendeine Kapsel kaufst, ganz gleich, ob es dir um das Gewicht, den Schlaf oder den Stress geht.

Was die Forschung zum Gewicht hergibt

Wenig, und das ist ehrlich gemeint. Die vorhandenen Untersuchungen sind klein und kurz, sie fragten meist nach Stress und kaum nach der Waage. Hinweise auf eine Zunahme durch Ashwagandha finden sich darin nicht. Umgekehrt reicht die Datenlage auch nicht aus, um der Wurzel irgendeinen Effekt auf das Körpergewicht zuzuschreiben, und wer dir das als gesichert verkauft, bleibt dir den Beleg schuldig.

Für Ashwagandha gibt es in der EU zudem keinen zugelassenen Gesundheitsclaim, auch keinen zum Gewicht. Das ist keine Formalie. Es heißt, dass wir dir hier nichts versprechen dürfen, und weil wir dir lieber einen Text geben, auf den du dich verlassen kannst als einen, der gut klingt und nichts hält, wollen wir es auch gar nicht.

Warum fast jeder diese Frage stellt

Ein Teil liegt im Image. Im Ayurveda gilt Ashwagandha als Stärkungsmittel. Aus „stärkend“ wird im Kopf schnell „aufbauend“, und aus „aufbauend“ die Sorge vor ein paar Kilo mehr. Wer dann noch liest, dass die Wurzel „Schlafbeere“ heißt, stellt sich ein abendliches Mittel für Ruhe und Couch vor.

Der zweite Teil ist der Zeitpunkt. Die meisten greifen zu Ashwagandha, wenn es gerade hakt: viel Arbeit, wenig Schlaf, Stress im Kopf. Genau in solchen Phasen verschiebt sich auch ohne Kapsel das Gewicht, weil Schlaf, Essrhythmus und Bewegung gleichzeitig ins Rutschen geraten und niemand mehr sauber trennen kann, was davon die Waage bewegt. Du kennst das Muster. Spätes Abendessen, der Riegel am Schreibtisch, kein Training. Fällt der Beginn der Einnahme in diese Wochen, bekommt die Kapsel die Schuld.

Der dritte Teil ist ein echter Befund, aber kein Beweis. Das BfR schreibt, dass es Hinweise gibt, dass Ashwagandha-Präparate das Immunsystem und den Hormonhaushalt beeinflussen können, genannt werden Cortisol, Blutzucker, Schilddrüsen- und Sexualhormone. Hormone spielen beim Gewicht mit, das ist bekannt. Daraus eine Gewichtszunahme abzuleiten, geben die vorliegenden Daten aber nicht her.

Gewicht und Heißhunger: was Ashwagandha nicht ersetzt

Wer unter Stress ständig nascht, hofft gern auf ein Pulver, das den Appetit zähmt. Wir halten das für den falschen Ansatz. Heißhunger entsteht oft aus einem Tag ohne Pause, ohne Frühstück und mit zu wenig Schlaf. Regelmäßige Mahlzeiten mit Eiweiß und Ballaststoffen, ein fester Feierabend und Bewegung an der frischen Luft bewirken hier mehr als jede Pflanze.

Ashwagandha kann ein Baustein in deiner Abendroutine sein, wenn du die Wurzel ohnehin schätzt. Als Ersatz für diese Gewohnheiten taugt sie nicht.

Schilddrüse, Blutzucker, Cortisol: wo die Wurzel in den Hormonhaushalt reicht

Die Schilddrüse bestimmt mit, wie schnell dein Körper Energie umsetzt. Schon 2012 hatte das BfR Bedenken geäußert, weil Hinweise auf eine Beeinflussung der Schilddrüsenfunktion vorlagen. Spätere Bewertungen aus Dänemark, den Niederlanden, Frankreich und Australien bestätigten und ergänzten das: Blutzucker, Sexualhormone, Zentralnervensystem, Nebennieren und Leber können betroffen sein.

Praktisch heißt das: Nimmst du Schilddrüsenmedikamente, Antidiabetika oder Blutdrucksenker, gehört Ashwagandha vorher in ein Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Nicht aus Dramatik, sondern weil sich Wirkungen addieren können.

Ein Gegengewicht gibt es. Bei gesunden Erwachsenen, die einen standardisierten Wurzelextrakt bekamen, blieben Leber-, Nieren-, Blut- und Hormonwerte in den bisherigen Untersuchungen im Normbereich, schwere Nebenwirkungen traten nicht auf. Leichte Beschwerden wie Magen-Darm-Probleme, Kopfschmerz und Schläfrigkeit kamen vor, und zwar auch bei denen, die nur ein Scheinpräparat erhielten. Offen bleibt, was nach einem halben Jahr Dauereinnahme passiert, dazu fehlen Daten.

Einnahme im Alltag: Tageszeit, Mahlzeit, Dauer, Magnesium

Tageszeit: Eine feste Uhrzeit schreibt dir keine Quelle vor, die wir kennen. Nimm die Wurzel, wann du sie nicht vergisst, denn eine Pflanze, die im Schrank stehen bleibt, bringt dir weder etwas noch schadet sie. Manche legen sie zum Abendessen, andere zum Frühstück, und wer abends ohnehin eine kleine Routine hat, hängt sie einfach an die Tasse Tee oder das Zähneputzen an, weil sich so am wenigsten vergessen lässt. Wer das genauer vergleichen will, liest den Ratgeber „Ashwagandha: morgens oder abends einnehmen?“.

Mit Essen: Reagiert dein Magen auf Pflanzenpräparate empfindlich, nimm Ashwagandha zu einer Mahlzeit statt auf nüchternen Magen. Übelkeit und Durchfall gehören laut BfR zu den berichteten Beschwerden, und ein voller Magen ist die einfachste Gegenmaßnahme.

Dauer: Verlässliche Daten zur Einnahme über viele Monate gibt es nicht. Plane deshalb Pausen ein und lass nach einigen Wochen ehrlich prüfen, ob du überhaupt etwas bemerkst. Wie eine Kur aussehen kann, steht im Ratgeber „Ashwagandha: Wie lange einnehmen? Kur & Pause“.

Magnesium: Viele nehmen abends ohnehin Magnesium und fragen, ob sich beides kombinieren lässt. Die Kombination für die Abendroutine haben wir in einem eigenen Ratgeber beschrieben.

Ein Beispieltag, der ohne Wunder auskommt

Frühstück mit Eiweiß, etwa Quark, Ei oder Haferbrei mit Nüssen. Mittags eine echte Pause, nicht am Schreibtisch. Nachmittags zehn Minuten Bewegung. Abends zum Essen die Kapsel, danach Handy weg und früh ins Bett. Das klingt unspektakulär, und genau deshalb funktioniert es: Es nimmt dem Abend den Stress, der sonst zum Kühlschrank führt. Ashwagandha ist darin ein Teil der Routine, mehr nicht.

Worauf du beim Kauf achtest

Schau aufs Etikett. Steht dort Wurzel oder Blatt? Wird ein Gehalt an Withanoliden genannt? Welche Tagesmenge ist vorgesehen, und gibt es ein Laborzeugnis? Das BfR weist darauf hin, dass sich Zusammensetzung und Gehalt der Präparate stark unterscheiden, je nach Pflanzenteil und Extraktion. Ein Präparat mit klar deklarierter Wurzel ist deshalb besser einzuordnen als eine Mischung ohne Mengenangabe, bei der du am Ende nicht sagen kannst, welcher Bestandteil welche Beschwerde ausgelöst haben könnte. Kurz: Transparenz zuerst.

Viele Ashwagandha-Produkte sind Kombinationen. Lies die Zutatenliste ganz, denn der Effekt kann auch von etwas anderem kommen. Und halte dich an die Menge auf dem Etikett. Misstrauisch solltest du bei jedem Anbieter werden, der Gewichtsverlust verspricht, denn dafür gibt es keinen zugelassenen Claim.

Für wen Ashwagandha nicht passt

Das BfR ist hier eindeutig. Seine Mitteilung vom 10. September 2024 rät Kindern, Schwangeren und Stillenden sowie Menschen mit einer bestehenden oder früheren Lebererkrankung von Ashwagandha-Präparaten ab. Der Grund: Es gibt Fallberichte zu Leberschäden, und für Schwangere, Stillende und Kinder fehlen Sicherheitsdaten. Bei Medikamenten gegen Diabetes, hohen Blutdruck oder zur Dämpfung des Immunsystems gehört ein Arztgespräch davor.

Bemerkst du nach dem Start etwas Auffälliges, setze das Präparat ab und lass es ärztlich klären.

Die Waage steigt trotzdem? So suchst du den Grund

Schau zuerst auf deinen Alltag. Seit wann hat sich der Schlaf verschlechtert? Gab es neue Medikamente? Mehr Alkohol am Wochenende, weniger Wege zu Fuß, dunkle Jahreszeit? Sprechen diese Punkte nicht dagegen, dann probiere zwei Wochen Pause und wiege dich weiter zur gleichen Uhrzeit, am besten morgens nach dem Toilettengang.

Ändert sich nichts, lag es nicht an der Wurzel. Steigt dein Gewicht trotzdem Woche für Woche ohne erkennbaren Grund, lass dein Blutbild und die Schilddrüse prüfen. Das ist keine Kapselfrage mehr, sondern eine Frage für die Praxis.

Passende Produkte von Scheunengut

Zwei Produkte führen wir. Das Bio Ashwagandha kommt aus der Wurzel der Pflanze, stammt aus kontrolliert biologischem Anbau, ist vegan, in Deutschland hergestellt und laborgeprüft. Es liefert 1950 mg pro Tagesdosis. Der Ashwagandha-Markenrohstoff ist ein Wurzelextrakt der Marke KSM-66 mit mindestens 5 % Withanoliden. Die Tagesmenge steht jeweils auf dem Etikett.

Beide setzen auf die Wurzel. Für das Abnehmen sind sie nicht gedacht, und das behaupten wir auch nicht.

Häufige Fragen (FAQ)

Macht Ashwagandha dick?

Nein, dafür gibt es keinen Beleg. Eine Gewichtszunahme durch Ashwagandha selbst ist nicht nachgewiesen. Wenn jemand nach dem Start zunimmt, liegt es meist an Schlaf, Stress, Essgewohnheiten, Bewegung oder Medikamenten, die zeitlich zufällig zusammenfallen.

Kann ich mit Ashwagandha abnehmen?

Als Mittel zum Abnehmen taugt Ashwagandha nicht. Für die Wurzel gibt es keinen zugelassenen Gesundheitsclaim, auch keinen zum Gewicht, und wir versprechen dir deshalb nichts. Ernährung, Schlaf und Bewegung bleiben der eigentliche Hebel.

Hilft Ashwagandha gegen Heißhunger bei Stress?

In kleinen Untersuchungen ging es eher um Stress als um Gewicht, und über Heißhunger liegen nur wenige Angaben vor. Ein verlässlicher Hebel gegen Stress-Essen ist Ashwagandha nicht. Regelmäßige Mahlzeiten, genug Schlaf und ein Spaziergang nach der Arbeit helfen dir sicherer.

Kann Ashwagandha über die Schilddrüse mein Gewicht verändern?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht Hinweise, dass Ashwagandha-Präparate Schilddrüsen- und Sexualhormone, Cortisol und Blutzucker beeinflussen können. Ob sich daraus im Alltag eine Gewichtsveränderung ergibt, ist nicht gezeigt. Wenn du Schilddrüsenmedikamente nimmst, sprich vor der Einnahme mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Morgens oder abends: Wann nimmt man Ashwagandha?

Eine feste Tageszeit ist nicht vorgeschrieben. Wähle die Zeit, die du im Alltag nicht vergisst, und halte dich an die Verzehrempfehlung auf dem Etikett. Mehr dazu findest du im Ratgeber zur Tageszeit.

Wer sollte auf Ashwagandha verzichten?

Das BfR rät Kindern, Schwangeren und Stillenden sowie Menschen mit einer bestehenden oder früheren Lebererkrankung von Ashwagandha-Präparaten ab. Bei Antidiabetika, Blutdrucksenkern und Mitteln zur Dämpfung des Immunsystems solltest du vorher ärztlich klären, ob sich das verträgt.

Was tun, wenn die Waage seit dem Start nach oben geht?

Such zuerst im Alltag: Schlaf, Stress, Alkohol, Bewegung, Jahreszeit, neue Medikamente. Mach dann zwei Wochen Pause und wiege dich weiter zur gleichen Zeit. Nimmst du über Wochen ohne erkennbaren Grund zu, lass es ärztlich abklären, auch die Schilddrüse.

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Gesundheitshinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in Schwangerschaft und Stillzeit oder bei der Einnahme von Medikamenten halte bitte Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt. So entstehen unsere Ratgeber →

— Scheunengut Redaktion