Reisekrankheit entsteht durch widersprüchliche Signale von Augen und Gleichgewichtsorgan. Am besten in Fahrtrichtung sitzen, den Blick nach vorne auf einen festen Punkt oder den Horizont richten, während der Fahrt nicht lesen oder aufs Handy schauen, für frische Luft sorgen und vor der Fahrt nur leicht essen. Ingwer wird traditionell begleitend verwendet.
Reisekrankheit, auch Kinetose genannt, beschreibt Übelkeit, Schwindel, Blässe, vermehrten Speichelfluss, kalten Schweiß, Müdigkeit oder Kopfschmerzen, die im Auto, Bus, Zug, Flugzeug oder auf dem Schiff auftreten können. Sie entsteht, wenn Augen und Gleichgewichtsorgan dem Gehirn widersprüchliche Signale melden. Manche Menschen reagieren sehr empfindlich, andere kaum. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Sitzwahl, dem Blick auf einen festen Punkt und einigen einfachen Vorbereitungen lassen sich die Beschwerden bei den meisten deutlich abmildern. Dieser Ratgeber erklärt, wie Reisekrankheit entsteht, was unterwegs zuverlässig hilft, worauf man beim Essen achten sollte und wann eine ärztliche Einordnung sinnvoll ist.
Was steckt hinter der Reisekrankheit?
Für unser Gleichgewicht wertet das Gehirn ständig mehrere Informationsquellen zugleich aus: die Augen, das Gleichgewichtsorgan im Innenohr und die Rückmeldungen aus Muskeln und Gelenken. Solange diese Signale zusammenpassen, entsteht ein stimmiges Bild von Bewegung und Lage im Raum. Bei Bewegung in einem Fahrzeug passen die Signale jedoch manchmal nicht zusammen. Wer etwa im Auto auf das Handy oder ein Buch schaut, sieht eine ruhende Seite, während das Innenohr Beschleunigung, Bremsen und Kurven registriert. Dieser Widerspruch verwirrt das Gehirn und kann Übelkeit auslösen.
Wie stark jemand reagiert, ist individuell sehr verschieden und teils veranlagt. Kinder zwischen etwa zwei und zwölf Jahren sind häufig empfindlicher, ebenso Menschen, die zu Migräne neigen oder in der Schwangerschaft sind. Auch äußere Faktoren wie stickige Luft, unangenehme Gerüche, Hitze, Zigarettenrauch, Angst, Übermüdung oder ein sehr voller Magen können die Beschwerden verstärken. Oft schaukelt sich die Übelkeit langsam auf, sodass frühe Gegenmaßnahmen besonders wirksam sind. Wer seine persönlichen Auslöser kennt, kann gezielt vorbeugen.
Wann ärztlich abklären lassen?
Reisekrankheit ist an sich harmlos und klingt nach dem Ende der Fahrt meist rasch von selbst ab. Eine ärztliche Einordnung ist dennoch sinnvoll, wenn Schwindel oder Übelkeit unabhängig vom Reisen auftreten, sehr häufig oder sehr stark sind, mit anhaltendem Erbrechen und drohendem Flüssigkeitsmangel einhergehen oder von Symptomen wie Ohrgeräuschen, Hörminderung, Sehstörungen oder ungewohnten Kopfschmerzen begleitet werden. Solche Zeichen können auf eine andere Ursache im Bereich des Innenohrs oder des Gleichgewichtssystems hindeuten.
Auch vor der Einnahme von Reisemedikamenten – gerade bei Kindern, in der Schwangerschaft, im Stillzeitraum oder bei bestehenden Erkrankungen – ist ärztlicher oder apothekerlicher Rat ratsam, da manche Mittel müde machen oder nicht für jede Altersgruppe geeignet sind. So lässt sich klären, ob wirklich eine Kinetose vorliegt oder eine andere Ursache infrage kommt und welche Vorbeugung im Einzelfall passt.
Was unterwegs helfen kann
Viele einfache Maßnahmen setzen genau am Widerspruch der Sinne an und wirken oft schon vorbeugend. Bewährt haben sich:
- Einen ruhigen Sitzplatz wählen: im Auto vorne, im Bus weit vorne, im Zug in Fahrtrichtung, im Flugzeug über den Tragflächen, auf dem Schiff mittschiffs auf mittlerer Höhe.
- In Fahrtrichtung sitzen und den Blick nach vorne auf einen festen, weit entfernten Punkt oder den Horizont richten.
- Während der Fahrt nicht lesen, nicht aufs Handy schauen und nicht auf nahe Objekte fokussieren.
- Für frische Luft sorgen, ein Fenster öffnen oder die Belüftung nutzen, unangenehme Gerüche meiden und es nicht zu warm werden lassen.
- Vor der Fahrt nur leicht essen und fettige, sehr schwere Mahlzeiten sowie Alkohol meiden.
- Bei ersten Anzeichen frühzeitig eine Pause einlegen, aussteigen, an die frische Luft gehen und ein paar Schritte laufen.
Manche empfinden eine ruhige, langsame Atmung, Ablenkung durch Musik oder Gespräche oder ein kurzes Nickerchen als hilfreich, weil dann die störenden visuellen Reize wegfallen und der Körper zur Ruhe kommt. Für Kinder kann es helfen, sie erhöht und nach vorne blicken zu lassen, rechtzeitig Pausen einzuplanen und sie vor der Fahrt nicht zu üppig essen zu lassen. Wichtig ist, entspannt zu bleiben, denn Angst vor der Übelkeit kann diese verstärken.
Ernährung und Getränke unterwegs
Ein zu voller ebenso wie ein völlig leerer Magen kann Übelkeit begünstigen. Sinnvoll ist eine kleine, leichte Mahlzeit vor der Reise, etwa trockenes Gebäck, Zwieback, eine Banane oder etwas mildes Obst. Während der Fahrt eignen sich kleine Schlucke stillen Wassers oder ungesüßter Tee, um den Magen zu beruhigen und einer Austrocknung vorzubeugen. Fettige, stark gewürzte oder sehr süße Speisen und Alkohol sind vor und während der Reise ungünstig. Wer zu Reisekrankheit neigt, plant Mahlzeiten so, dass der Magen weder überladen noch ganz leer ist, und nimmt für längere Strecken leichte Snacks mit. Auch am Vorabend einer Reise lohnt es sich, auf sehr fettes Essen und größere Mengen Alkohol zu verzichten und ausreichend zu schlafen, denn Übermüdung kann die Empfindlichkeit am nächsten Tag erhöhen. Kühle, stille Getränke werden von vielen als angenehmer empfunden als warme oder stark gesüßte.
Pflanzen und Hausmittel im Blick
Bei Übelkeit auf Reisen wird Ingwer traditionell verwendet, etwa als Tee, als kandierte Stückchen, als Bonbon oder in Kapseln. Viele Reisende schätzen ihn als natürliche Begleitung und nehmen ihn schon vor der Fahrt zu sich. Belastbare, allgemeingültige Wirkbelege sind allerdings begrenzt, und die Verträglichkeit ist individuell verschieden. Auch Pfefferminze wird traditionell bei Unwohlsein im Magen eingesetzt, etwa als Tee. Solche Hausmittel können die genannten Alltagsmaßnahmen ergänzen, ersetzen aber keine ärztliche Beratung und wirken nicht bei jedem gleich. Bei starken oder wiederkehrenden Beschwerden gibt es zudem apotheken- oder verschreibungspflichtige Mittel gegen Reisekrankheit, deren Einsatz mit Apotheke oder Arztpraxis besprochen werden sollte – besonders im Hinblick auf Nebenwirkungen wie Müdigkeit.
Reisekrankheit bei Kindern
Kinder zwischen etwa zwei und zwölf Jahren reagieren besonders häufig empfindlich auf Reisebewegungen, weil ihr Gleichgewichtssystem noch in der Entwicklung ist. Für Familien lohnt es sich daher, längere Fahrten gut vorzubereiten. Hilfreich ist ein erhöhter Kindersitz, der den Blick nach vorne aus dem Fenster ermöglicht, sowie der Verzicht auf Bücher, Tablets und Handys während der Fahrt, da der Blick nach unten die Übelkeit fördert.
Regelmäßige Pausen an der frischen Luft, leichte Snacks statt üppiger Mahlzeiten und ausreichend Trinken beugen vor. Ablenkung durch Musik, Hörspiele oder gemeinsames Aus-dem-Fenster-Schauen kann helfen, den Fokus vom Unwohlsein wegzulenken. Zeigt ein Kind erste Anzeichen wie Blässe, Quengeln oder Schweigsamkeit, ist eine frühe Pause sinnvoll. Vor der Gabe von Reisemedikamenten an Kinder sollte immer ärztlicher oder apothekerlicher Rat eingeholt werden, da nicht jedes Mittel für jede Altersgruppe geeignet ist und manche müde machen. Mit etwas Planung lassen sich Autofahrten und Flüge für Kinder deutlich angenehmer gestalten.
Ehrlich eingeordnet
Reisekrankheit lässt sich selten ganz abschalten, aber bei den meisten Menschen deutlich abmildern. Die wirksamsten Hebel sind einfach und kosten nichts: die richtige Sitzwahl, der Blick nach vorne auf einen festen Punkt oder den Horizont, frische Luft und der konsequente Verzicht aufs Lesen und aufs Handy während der Fahrt. Pflanzliche Hausmittel wie Ingwer können begleiten, sind aber kein Garant für Beschwerdefreiheit. Wer trotz aller Maßnahmen stark leidet, findet in der Apotheke geeignete Mittel und sollte deren Anwendung fachlich abklären. Mit etwas Vorbereitung und einigen bewusst eingesetzten Gewohnheiten wird die nächste Reise für die meisten Menschen deutlich angenehmer, und die Angst vor der Übelkeit verliert an Gewicht. Wer regelmäßig unter starker Reisekrankheit leidet, bespricht am besten einmal in Ruhe mit der Apotheke oder der Arztpraxis, welche Vorbeugung im eigenen Fall am besten passt. Dieser Text dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Häufige Fragen (FAQ)
Warum wird mir beim Autofahren übel?
Weil Augen und Gleichgewichtsorgan dem Gehirn widersprüchliche Signale melden. Beim Lesen sieht das Auge eine ruhige Seite, während das Innenohr die Bewegung des Fahrzeugs registriert. Dieser Widerspruch kann Übelkeit auslösen.
Welcher Sitzplatz ist am besten?
Ein ruhiger Platz in Fahrtrichtung: im Auto vorne, im Flugzeug über den Tragflächen, auf dem Schiff mittschiffs. Wichtig ist der Blick nach vorne auf einen festen Punkt oder den Horizont.
Hilft Ingwer gegen Reiseübelkeit?
Ingwer wird bei Übelkeit auf Reisen traditionell verwendet und von vielen als angenehm empfunden. Die Verträglichkeit ist individuell, und er kann die genannten Alltagsmaßnahmen ergänzen, ersetzt aber keine ärztliche Beratung.
Sollte ich vor der Fahrt essen?
Ja, aber nur leicht. Ein sehr voller oder ein ganz leerer Magen kann Übelkeit begünstigen. Trockenes Gebäck oder etwas Obst vor der Reise und kleine Schlucke Wasser unterwegs sind günstig.
Wann sollte ich zum Arzt gehen?
Wenn Schwindel oder Übelkeit unabhängig vom Reisen auftreten, sehr stark oder häufig sind, mit anhaltendem Erbrechen einhergehen oder von Ohrgeräuschen, Hörminderung oder Sehstörungen begleitet werden.
Gesundheitshinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in Schwangerschaft und Stillzeit oder bei der Einnahme von Medikamenten halte bitte Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt. So entstehen unsere Ratgeber →
Quellen
- Gesundheitsinformationen des Bundes — Bundesministerium für Gesundheit, 2024
- Verbraucherzentrale — Verbraucherzentrale, 2024
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung — DGE, 2024


















