Kollagen ist ein Eiweißbaustein aus der Nahrung und zählt nicht zu den in Schwangerschaft oder Stillzeit offiziell empfohlenen Nährstoffen wie Folsäure oder Jod. Ein reines, laborgeprüftes Präparat gilt als unbedenklich. Kläre Präparat und Menge trotzdem vorher mit deiner Frauenärztin oder Hebamme ab, besonders wegen möglicher Zusatzstoffe.
Kollagenpulver im Kaffee war für dich Routine – und jetzt, mit positivem Schwangerschaftstest oder in den ersten Stillwochen, fragst du dich, ob das so bleiben kann. Die kurze Antwort: Kollagen ist ein gewöhnlicher Eiweißbaustein aus der Nahrung, kein Wirkstoff mit Nebenwirkungsprofil. Trotzdem gibt es einige Punkte, die du in dieser Zeit anders bewerten solltest als sonst – von der Herkunft bis zur Frage, wie viel überhaupt sinnvoll ist. Hier bekommst du die ehrliche Einordnung: ohne Panikmache, aber auch ohne falsche Versprechen.
Was ist Kollagen?
Kollagen ist das häufigste Eiweiß in deinem Körper und bildet das stützende Gerüst in Haut, Sehnen, Bändern und Knochen. In Nahrungsergänzungsmitteln steckt es fast immer als hydrolysiertes Kollagen, also in kleine, wasserlösliche Peptide zerlegt. Die Rohstoffe stammen von Rind, Schwein, Fisch oder Geflügel – Kollagen ist damit immer tierischen Ursprungs. Am häufigsten begegnet es dir als geschmacksneutrales Pulver zum Einrühren oder als Kapsel. Deinen eigenen Kollagen-Nachschub stellt dein Körper laufend selbst her, unter anderem mit Hilfe von Vitamin C.
Wie wirkt Kollagen im Körper?
Isst oder trinkst du Kollagenpeptide, zerlegt dein Verdauungssystem sie zunächst in einzelne Aminosäuren und kleine Peptidbruchstücke – genau wie jedes andere Nahrungseiweiß auch. Diese Bausteine gelangen ins Blut und stehen deinem Körper zur Verfügung, wo er sie gerade braucht: für Muskeln, Bindegewebe, Haut oder den eigenen Neuaufbau von Kollagen. Für Kollagenpeptide selbst gibt es in der EU aktuell keinen zugelassenen Health Claim – du bekommst also Eiweißbausteine, keine offiziell geprüfte Wirkung auf ein bestimmtes Gewebe. Zugelassen ist dagegen ein Claim für Vitamin C: Es trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut, der Knochen, der Knorpel, der Zähne, des Zahnfleisches und der Blutgefäße bei – deshalb kombinieren viele Präparate Kollagen mit Vitamin C.
Gerade in Schwangerschaft und Stillzeit ist dieser nüchterne Blick hilfreich: Deine Haut dehnt sich spürbar, dein Bindegewebe leistet einiges – ein nachvollziehbarer Grund, warum viele werdende und stillende Mütter neugierig auf Kollagen werden. Ein Versprechen, das speziell dafür geprüft und zugelassen wäre, gibt es aber nicht. Das sagen wir dir lieber ehrlich, statt dir mehr zu versprechen, als wir halten können.
Für wen ist das interessant?
Dieser Ratgeber ist für dich gedacht, wenn eine dieser Situationen zutrifft:
- Du nimmst schon Kollagen und bist gerade schwanger geworden: Du willst wissen, ob du einfach weitermachen kannst, die Menge anpassen oder erstmal pausieren solltest.
- Du stillst und überlegst, ob du wieder einsteigen kannst: Dich beschäftigt, was über die Muttermilch weitergegeben wird und ob das für dein Baby unbedenklich ist.
- Deine Haut verändert sich spürbar, und du bist neu neugierig auf Kollagen: Du fragst dich, ob jetzt ein guter Zeitpunkt zum Einstieg ist oder ob du besser bis nach der Stillzeit wartest.
- Du liest gerade Etiketten und willst wissen, worauf du in dieser Zeit besonders achten solltest – Herkunft, Zusatzstoffe, Reinheit.
In allen vier Fällen gilt dasselbe: Kollagen zählt nicht zu den Nährstoffen, die in Schwangerschaft oder Stillzeit ausdrücklich empfohlen werden – anders als etwa Folsäure oder Jod. Es spricht deshalb wenig dagegen, es muss aber auch niemand extra deswegen starten. Das gilt unabhängig davon, ob du Kollagen bisher als Pulver, Kapsel oder Trinkampulle genommen hast – die Einordnung in diesem Ratgeber bezieht sich auf reines Kollagen in all diesen Formen.
Einnahme & Dosierung
Für Kollagen selbst legt weder die DGE noch eine EU-Behörde eine feste Tagesdosis oder Höchstmenge fest – anders als bei Vitaminen oder Mineralstoffen gibt es dafür keinen offiziellen Referenzwert, weil Kollagen kein essenzieller Nährstoff ist. Außerhalb von Schwangerschaft und Stillzeit bewegen sich übliche Mengen in Studien meist zwischen 2,5 und 15 Gramm Kollagenpeptiden täglich. Zum Einordnen: Die DGE gibt für Schwangere einen zusätzlichen Proteinbedarf von rund 7 Gramm im zweiten und rund 21 Gramm im dritten Trimester pro Tag an, für Stillende sind es rund 23 Gramm zusätzlich. Eine übliche Portion Kollagenpulver deckt davon nur einen kleinen Teil – Kollagen ersetzt keine ausgewogene, eiweißreiche Ernährung, sondern ergänzt sie höchstens.
Offiziell und gezielt empfohlen werden in der Schwangerschaft nur wenige Nährstoffe: Folsäure vor und in der Frühschwangerschaft, Jod während der gesamten Schwangerschaft und Stillzeit. Kollagen gehört nicht dazu – das macht es nicht ungeeignet, aber es ist eben auch kein Nährstoff, an dem eine Unter- oder Mangelversorgung hängt. Wichtiger als die exakte Menge ist deshalb, was sonst noch im Präparat steckt: Manche Kollagenprodukte kombinieren mit hochdosiertem Vitamin A, Kräuterextrakten oder weiteren Zusatzstoffen, die in dieser Zeit einzeln bewertet werden müssen. Sprich deshalb jedes Kollagenpräparat – Menge und genaue Zusammensetzung – vorher mit deiner Frauenärztin, deinem Frauenarzt oder deiner Hebamme ab, besonders wenn du bereits ein Schwangerschafts- oder Still-Vitaminpräparat nimmst und Doppelungen vermeiden willst.
Worauf du beim Kauf achten solltest
Falls du dich nach Rücksprache für ein Kollagenpräparat entscheidest, helfen dir diese Kriterien bei der Auswahl:
- Reine Rezeptur statt Kombi-Präparat: Je weniger zusätzliche Wirkstoffe ein Produkt enthält, desto weniger musst du in dieser Zeit einzeln abklären. Kräuterzusätze oder hochdosierte Einzelvitamine haben in einem Kollagenpräparat für diese Lebensphase wenig zu suchen.
- Laborgeprüfte Reinheit, besonders bei marinem Kollagen: Fisch-Kollagen sollte auf Schwermetalle wie Quecksilber geprüft sein – ein Kriterium, das in dieser Zeit noch etwas mehr zählt als sonst.
- Fischallergie im Blick behalten: Bei einer bestehenden Fischallergie ist marines Kollagen tabu, unabhängig von Schwangerschaft oder Stillzeit. Bovines (Rinder-)Kollagen ist dann die naheliegende Alternative.
- Klare Mengenangabe pro Portion: Achte auf eine ausgewiesene Menge an Kollagenpeptiden statt vager „Kollagen-Komplex“-Angaben, damit du nachvollziehen kannst, wie viel du tatsächlich zu dir nimmst.
- Etikett komplett lesen, nicht nur die Werbezeile: Manche Pulver enthalten neben Kollagen auch Süßstoffe oder Aromen – wäge das in dieser Zeit bewusst mit ab.
- Geschmack und Verträglichkeit einplanen: Übelkeit und veränderte Geschmacksvorlieben gehören für viele Frauen zur frühen Schwangerschaft dazu. Ein geschmacksneutrales Pulver lässt sich dann oft leichter in den Alltag einbauen als eine stark aromatisierte Variante.
Ehrlich eingeordnet
Für Kollagen ist – unabhängig von Schwangerschaft oder Stillzeit – aktuell kein einziger Health Claim in der EU zugelassen. Ob und wie stark zugeführtes Kollagen sich auf Hautelastizität oder Bindegewebe auswirkt, ist damit offiziell nicht belegt, auch wenn einzelne Studien in diese Richtung deuten. Speziell zur Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit kommt hinzu, was für die meisten Nahrungsergänzungsmittel gilt: Schwangere und Stillende werden aus ethischen Gründen kaum in Studien eingeschlossen, entsprechend fehlen dafür eigene, gezielte Daten.
Das ist kein Grund zur Sorge, sondern der Normalfall bei fast jedem Nahrungsergänzungsmittel. Kollagen ist als hydrolysiertes Eiweiß aus der Nahrung – im Grunde verwandt mit klassischer Kraftbrühe – kein neuartiger oder exotischer Stoff. Die ehrliche Zusammenfassung: Ein Sicherheitsrisiko ist nicht bekannt, ein spezifischer Zusatznutzen in dieser Lebensphase ist aber auch nicht belegt. Genau deshalb ist die Entscheidung, ob und in welcher Form du weitermachst, am besten eine, die du gemeinsam mit deiner Frauenärztin oder Hebamme triffst – nicht allein anhand von Werbeversprechen. Das gilt für Kollagen genauso wie für die meisten anderen „Beauty von innen“-Präparate, die derzeit auf dem Markt sind.
Passende Produkte von Scheunengut
Ein Kollagenpräparat speziell für Schwangerschaft oder Stillzeit führen wir aktuell nicht im Sortiment – und ein allgemeines Kollagenpulver als „für Schwangere geeignet“ zu bewerben, wäre ohnehin kein zugelassener Claim, den wir nutzen dürften. Entscheidest du dich nach Rücksprache mit deiner Frauenärztin oder Hebamme für ein Präparat, orientiere dich an den oben genannten Kriterien: reine Rezeptur, laborgeprüfte Herkunft und eine klare Mengenangabe. Nach Schwangerschaft und Stillzeit – oder wenn du grundsätzlich mehr über Kollagen wissen willst – findest du bei uns weiterführende Ratgeber rund um Herkunft, Formen und Qualität, damit du gut vorbereitet bist, sobald der Zeitpunkt für dich passt.
Häufige Fragen (FAQ)
Darf ich Kollagen in der Schwangerschaft nehmen?
Als eiweißbasiertes Nahrungsmittel spricht grundsätzlich wenig gegen Kollagen in der Schwangerschaft. Es zählt aber nicht zu den offiziell empfohlenen Nährstoffen wie Folsäure oder Jod. Sprich die Einnahme trotzdem kurz mit deiner Frauenärztin oder Hebamme ab, vor allem wegen möglicher Zusatzstoffe im Präparat.
Ist Kollagen in der Stillzeit erlaubt?
Ja, gegen ein reines, hydrolysiertes Kollagenpulver oder -kapsel spricht in der Stillzeit grundsätzlich nichts. Wichtiger als das Kollagen selbst ist die restliche Rezeptur – prüfe das Etikett auf Kräuterzusätze oder hochdosierte Einzelvitamine und sprich sie mit deiner Hebamme ab.
Wie viel Kollagen darf ich in der Schwangerschaft nehmen?
Es gibt keine offizielle Höchstmenge speziell für Kollagen, weil es kein essenzieller Nährstoff mit eigenem Referenzwert ist. Studien außerhalb der Schwangerschaft arbeiten meist mit 2,5 bis 15 Gramm täglich – die für dich passende Menge besprichst du am besten mit deiner Frauenärztin.
Muss ich mit Kollagen aufhören, sobald ich schwanger bin?
Ein sofortiges Absetzen ist bei einem reinen Kollagenpräparat ohne bekannte Risiken in der Regel nicht nötig. Nimm die nächste Vorsorgeuntersuchung oder den nächsten Hebammentermin zum Anlass, dein bisheriges Präparat einmal gemeinsam durchzugehen.
Ist marines (Fisch-)Kollagen in der Schwangerschaft sicher?
Ein laborgeprüftes, reines Fisch-Kollagen ohne auffällige Schwermetallwerte gilt als unbedenklich, ist aber bei bestehender Fischallergie tabu. Bovines (Rinder-)Kollagen ist die naheliegende Alternative, wenn du Fisch grundsätzlich meiden möchtest.
Hilft Kollagen gegen Schwangerschaftsstreifen?
Dafür gibt es keinen zugelassenen, wissenschaftlich geprüften Beleg – weder für Kollagen zum Einnehmen noch für Cremes. Wie stark sich deine Haut dehnt, hängt vor allem von genetischen und hormonellen Faktoren ab, die sich durch Kollagen nicht gezielt beeinflussen lassen.
Geht Kollagen in die Muttermilch über?
Kollagen wird bei der Verdauung in Aminosäuren und kleine Peptide zerlegt, genau wie jedes andere Nahrungseiweiß, das du isst. Nennenswerte Mengen unverändertes Kollagen gehen dabei nicht in die Muttermilch über – ein Grund für mehr Sorge als bei anderem Eiweiß aus der Ernährung besteht nicht.
Gesundheitshinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in Schwangerschaft und Stillzeit oder bei der Einnahme von Medikamenten halte bitte Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt. So entstehen unsere Ratgeber →
Quellen
- Folsäure und Co.: Müssen Schwangere ihre Nahrung ergänzen? — Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2026
- Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Protein — Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), 2025
- Scientific Opinion on the substantiation of a health claim related to VeriSol®P and a change in skin elasticity leading to an improvement in skin function pursuant to Article 13(5) of Regulation (EC) No 1924/2006 — EFSA Journal, 2013
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel — Europäische Kommission, 2012
- Mehr drin als nötig: Nahrungsergänzung rund um Schwangerschaft und Stillzeit — Verbraucherzentrale, 2025


















