Vitamin K1 (Phyllochinon) stammt aus grünem Gemüse und ist vor allem für die Blutgerinnung bekannt. Vitamin K2 (Menachinon, z. B. MK-7) entsteht durch Fermentation und in tierischen Lebensmitteln, bleibt länger im Körper und erreicht auch Gewebe außerhalb der Leber. Beide gehören zur Vitamin-K-Familie, unterscheiden sich aber in Herkunft und Verweildauer.
Auf vielen Präparaten steht heute nicht mehr einfach „Vitamin K", sondern „K1" oder „K2" – oft ergänzt um kryptische Kürzel wie MK-7. Wer vor dem Regal oder dem Online-Shop steht, fragt sich zu Recht: Ist das dasselbe? Und wenn nicht – was ist eigentlich der Unterschied, und spielt er in der Praxis eine Rolle? Dieser Ratgeber ordnet K1 und K2 sachlich ein: woher sie kommen, wie sie sich im Körper verhalten und was das für die Auswahl eines Präparats bedeutet. Vorab das Wichtigste: Beide gehören zur selben Vitamin-Familie, und die anerkannten Funktionen gelten für Vitamin K als Gruppe.
Was ist Vitamin K1 (Phyllochinon)?
Vitamin K1 trägt den chemischen Namen Phyllochinon. Es ist die Form, die in Pflanzen vorkommt – und zwar vor allem dort, wo Photosynthese stattfindet, also in grünen Blättern. Kein Zufall: K1 ist chemisch eng mit dem Blattgrün verbunden.
Entsprechend liefern grüne Gemüsesorten die höchsten Mengen. Gute Quellen sind unter anderem:
- Grünkohl, Spinat und Mangold
- Brokkoli und Rosenkohl
- Kopfsalat und andere Blattsalate
- frische Kräuter wie Petersilie
- pflanzliche Öle wie Raps- und Sojaöl
K1 ist die mengenmäßig dominierende Vitamin-K-Form in der typischen Ernährung. Über eine abwechslungsreiche Kost mit reichlich grünem Gemüse lässt sich die Zufuhr in der Regel gut abdecken. Weil Vitamin K fettlöslich ist, wird es besser aufgenommen, wenn etwas Fett mit im Spiel ist – ein Schuss Öl über dem Salat oder gedünstetes Gemüse mit etwas Butter reicht dafür schon aus. Das erklärt auch, warum pflanzliche Öle selbst als K1-Quelle auftauchen.
Im Körper wird K1 nach der Aufnahme bevorzugt in die Leber transportiert – und dort spielt es seine bekannteste Rolle: Es ist an der Bildung von Gerinnungsfaktoren beteiligt. Die Aussage, dass Vitamin K zu einer normalen Blutgerinnung beiträgt, geht historisch maßgeblich auf diese Funktion zurück. Das „K" stammt übrigens vom Wort „Koagulation", also Gerinnung – ein Hinweis darauf, dass die Blutgerinnung die zuerst entdeckte und am längsten bekannte Funktion dieses Vitamins ist.
Was ist Vitamin K2 (Menachinon)?
Vitamin K2 wird chemisch als Menachinon bezeichnet. Anders als beim einheitlichen K1 handelt es sich hier um eine ganze Untergruppe verwandter Moleküle, die sich in der Länge ihrer Seitenkette unterscheiden. Man kürzt sie mit MK und einer Zahl ab – die geläufigsten sind:
- MK-4: eine kurzkettige Form, die vor allem in tierischen Lebensmitteln vorkommt und die der Körper teils auch selbst aus K1 bilden kann.
- MK-7: eine langkettige Form, die typischerweise durch bakterielle Fermentation entsteht – klassisch im japanischen Sojagericht Natto, das als besonders K2-reich gilt.
K2 hat also zwei Hauptwege in unsere Ernährung: über die Fermentation durch Bakterien und über tierische Produkte. In mitteleuropäischer Kost liefern etwa manche Käsesorten – besonders lange gereifte und fermentierte –, Eigelb und Fleisch gewisse Mengen. Insgesamt sind die K2-Mengen aus der Ernährung hierzulande aber meist deutlich geringer als die von K1. Ein Teil des im Darm von Bakterien gebildeten K2 trägt ebenfalls zur Versorgung bei, wobei dieser Beitrag schwer genau zu beziffern ist.
Der Unterschied zwischen MK-4 und MK-7 ist mehr als eine Zahl im Namen. MK-4 wirkt eher kurz und wird zügig verstoffwechselt; MK-7 aus der Fermentation zeichnet sich durch eine lange Seitenkette aus, die für ihre besondere Stabilität und Verweildauer im Körper verantwortlich ist. Genau dieser Punkt ist der Grund, warum in modernen Präparaten fast immer MK-7 und nicht MK-4 zu finden ist – dazu gleich mehr.
Der Unterschied: Herkunft, Verweildauer, Verteilung
K1 und K2 erfüllen im Kern dieselbe biochemische Aufgabe – sie aktivieren bestimmte Eiweiße, die ohne Vitamin K funktionslos blieben. Trotzdem verhalten sie sich im Alltag des Stoffwechsels unterschiedlich. Drei Punkte fassen die wichtigsten Unterschiede zusammen.
1. Herkunft
K1 ist die Pflanzenform aus grünem Gemüse. K2 entsteht durch Fermentation (MK-7) oder findet sich in tierischen Lebensmitteln (MK-4). Wer sich viel von grünem Blattgemüse ernährt, nimmt automatisch reichlich K1 auf – für nennenswerte K2-Mengen braucht es dagegen gezielter fermentierte oder tierische Quellen.
2. Verweildauer im Blut
Hier zeigt sich der vielleicht praktisch relevanteste Unterschied. K1 wird nach der Aufnahme relativ zügig aus dem Blut geräumt. Die langkettige K2-Form MK-7 verbleibt dagegen deutlich länger im Kreislauf, weil sie langsamer abgebaut wird. Das bedeutet: MK-7 sorgt über den Tag für einen gleichmäßigeren, länger anhaltenden Spiegel – ein Grund, warum diese Form in Präparaten beliebt ist.
3. Verteilung im Körper
K1 wird bevorzugt in die Leber gelenkt, wo die Gerinnungsfaktoren gebildet werden. Die längere Verweildauer von K2 wird häufig damit in Verbindung gebracht, dass es auch Gewebe außerhalb der Leber besser erreichen kann – etwa den Knochen. Das passt zu der anerkannten Aussage, dass Vitamin K zur Erhaltung normaler Knochen beiträgt. Wichtig zur Einordnung: Diese Funktion ist offiziell für Vitamin K allgemein anerkannt, nicht exklusiv für eine einzelne Form. Die Vorstellung, K2 sei „das Knochen-Vitamin" und K1 „das Gerinnungs-Vitamin", ist eine Vereinfachung – nützlich als Merkhilfe, aber nicht als scharfe Trennlinie zu verstehen.
Was heißt das für Präparate?
Wer ein Vitamin-K-Präparat kauft, findet heute überwiegend K2 – und dort meist die Form MK-7. Das hat nachvollziehbare Gründe: Die lange Verweildauer erlaubt eine einmal tägliche Einnahme mit gleichmäßigem Spiegel, und MK-7 lässt sich stabil aus Fermentation gewinnen. Reine K1-Präparate sind seltener, weil sich K1 über grünes Gemüse für die meisten Menschen vergleichsweise gut über die Ernährung abdecken lässt.
Ein häufiger Anwendungsfall ist die Kombination mit Vitamin D. Beide sind fettlösliche Vitamine und werden gern zusammen angeboten. Warum diese Paarung so verbreitet ist und worauf es dabei ankommt, erklären wir ausführlich im Ratgeber Vitamin D3 + K2: Warum die Kombination entscheidend ist sowie in der praktischen Kaufhilfe Vitamin D3 + K2 kaufen: Dosierung & Qualität. Zur Frage, ob man beides gleichzeitig einnehmen sollte, lohnt ein Blick in Vitamin D und K2 zusammen einnehmen?.
Wenn ein Präparat K2 enthält, steht die konkrete Form fast immer auf der Verpackung. „MK-7" ist die am häufigsten gewählte Variante. Manche Produkte geben zusätzlich an, ob es sich um die sogenannte all-trans-Form handelt – ein Detail, das sich auf die Beständigkeit bezieht. Grundlegendes zu Funktionen und Formen von Vitamin K findest du gebündelt im Überblicksratgeber Vitamin K: Blutgerinnung, Knochen & K2.
Wie wählen: K1, K2 oder Kombi?
Eine pauschale „beste" Form gibt es nicht – die Frage ist eher, was zu deiner Situation passt. Ein paar Orientierungspunkte:
- Isst du viel grünes Gemüse? Dann ist deine K1-Zufuhr über die Ernährung oft schon solide. Ein reines K1-Präparat ist für die meisten selten der erste Gedanke.
- Nimmst du (oder planst du) Vitamin D? Dann ist die verbreitete D3+K2-Kombination naheliegend – die Hintergründe dazu findest du in den oben verlinkten Ratgebern.
- Legst du Wert auf einen gleichmäßigen Spiegel bei einmal täglicher Einnahme? Dann spricht das für die K2-Form MK-7 mit ihrer langen Verweildauer.
- Möchtest du dich zuerst um Vitamin D kümmern? Dann hilft Welches Vitamin-D-Präparat kaufen? bei der Grundentscheidung.
Unabhängig von der Form gilt: Achte auf klare Deklaration von Form (z. B. MK-7) und Menge, eine nachvollziehbare Herkunft und ein seriöses Produkt ohne überzogene Versprechen.
Ehrlich eingeordnet
Rund um Vitamin K2 kursieren teils große Versprechen. Deshalb der nüchterne Blick: Anerkannt und belastbar ist, dass Vitamin K zu einer normalen Blutgerinnung beiträgt und zur Erhaltung normaler Knochen beiträgt. Diese Aussagen gelten für Vitamin K als Gruppe. Der oft gezogene scharfe Trennstrich – K1 nur für Blut, K2 nur für Knochen – ist eine Vereinfachung; beide Formen wirken über denselben grundlegenden Mechanismus, unterscheiden sich aber in Herkunft, Verweildauer und Verteilung im Körper.
Ein echter Mangel an Vitamin K ist bei gesunden Erwachsenen mit normaler Ernährung selten, weil grünes Gemüse und die körpereigene Bildung zur Versorgung beitragen. Nahrungsergänzung ist also kein Muss, sondern eine bewusste Entscheidung – etwa im Rahmen einer D3+K2-Strategie. Wer bei diesem Thema vor allem an Vitamin D denkt, findet die passende Grundlage in unserem Ratgeber Welches Vitamin-D-Präparat kaufen? – die K2-Frage ordnet sich dann meist als Ergänzung darum herum ein.
Auch das Marketing-Argument „je mehr, desto besser" greift bei Vitamin K nicht. Sinnvoll ist eine Versorgung im normalen Bereich – nicht die maximale Menge. Ein seriöses Präparat nennt Form und Dosis nachvollziehbar, statt mit möglichst hohen Zahlen zu werben.
Ein wichtiger Sicherheitshinweis: Wer gerinnungshemmende Medikamente vom Cumarin-Typ (z. B. bestimmte „Blutverdünner") einnimmt, sollte Vitamin K – ob K1 oder K2 – nur nach ärztlicher Rücksprache ergänzen. Vitamin K kann die Wirkung dieser Medikamente beeinflussen. Diese Entscheidung gehört in ärztliche Hände und lässt sich nicht durch einen Ratgeber ersetzen. Bei bestehenden Erkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit gilt ebenfalls: erst ärztlich abklären.
Fazit: K1 und K2 sind Verwandte mit gemeinsamer Grundfunktion, aber unterschiedlichem Profil. K1 kommt aus grünem Gemüse und ist leicht über die Ernährung zu decken; K2 (vor allem MK-7) stammt aus Fermentation und tierischen Quellen, bleibt länger im Körper und wird deshalb in Präparaten – oft kombiniert mit Vitamin D3 – bevorzugt eingesetzt. Welche Form für dich sinnvoll ist, hängt weniger von Marketing-Versprechen ab als von deiner Ernährung, deinen Zielen und – im Zweifel – dem Gespräch mit ärztlichem Fachpersonal.
Gesundheitshinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in Schwangerschaft und Stillzeit oder bei der Einnahme von Medikamenten halte bitte Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt. So entstehen unsere Ratgeber →
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Vitamin K — Referenzwerte und Grundlagen zur Zufuhr von Vitamin K (K1/K2) und zu Nahrungsquellen., 2024
- EU-Register zugelassener gesundheitsbezogener Angaben (Health Claims) — Zugelassene Aussagen zu Vitamin K, u. a. Beitrag zu normaler Blutgerinnung und zur Erhaltung normaler Knochen., 2024
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Vitamin K in Nahrungsergänzungsmitteln — Einordnung von Vitamin K (K1 und K2/MK-7) in Nahrungsergänzungsmitteln und Sicherheitsaspekte., 2021
- EFSA: Scientific Opinion on Dietary Reference Values for vitamin K — Wissenschaftliche Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit zu Vitamin K, Formen und Funktionen., 2017










