Kurz erklärt

Vitamin D2 (Ergocalciferol) stammt aus Pflanzen und Pilzen, Vitamin D3 (Cholecalciferol) aus tierischen Quellen oder – vegan – aus Flechten. Beide werden im Körper zur aktiven Form umgewandelt; D3 gilt in Studienlage und Facheinschätzung als die Form, die den Vitamin-D-Spiegel im Blut zuverlässiger anhebt und länger stabil hält.

Wer sich mit Vitamin-D-Präparaten beschäftigt, stößt schnell auf zwei Kürzel: D2 und D3. Auf den Etiketten stehen dann sperrige Namen wie „Ergocalciferol" und „Cholecalciferol", und schnell taucht die Frage auf: Ist das dasselbe? Und wenn nicht – welche Form ist die bessere Wahl? Genau darum geht es in diesem Ratgeber. Wir erklären, was hinter den beiden Formen steckt, worin sie sich unterscheiden und was das ganz praktisch für die Auswahl eines Präparats bedeutet – auch, wenn du dich vegan ernährst.

Die kurze Antwort vorweg: Beide sind echtes Vitamin D. Der entscheidende Unterschied liegt in der Herkunft und darin, wie zuverlässig sie den Vitamin-D-Spiegel im Blut anheben. Doch der Reihe nach.

Was ist Vitamin D überhaupt?

Vitamin D ist kein einzelner Stoff, sondern ein Sammelbegriff für eine Gruppe fettlöslicher Verbindungen. Die zwei für die Ernährung wichtigsten Vertreter sind Vitamin D2 und Vitamin D3. Beide erfüllen im Körper im Grunde dieselbe Aufgabe – sie müssen dafür allerdings erst umgewandelt werden.

Vitamin D nimmt unter den Vitaminen eine Sonderstellung ein: Der Körper kann es unter dem Einfluss von Sonnenlicht in der Haut selbst bilden. Deshalb spricht man streng genommen eher von einem Prohormon als von einem klassischen Vitamin. In den dunklen Monaten und bei wenig Aufenthalt im Freien reicht die körpereigene Bildung jedoch oft nicht aus – dann rücken Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel in den Fokus. Und hier wird die Unterscheidung zwischen D2 und D3 relevant.

Wichtig ist die richtige Einordnung: Die anerkannten gesundheitsbezogenen Aussagen gelten für Vitamin D allgemein – unabhängig davon, ob es als D2 oder D3 vorliegt. So trägt Vitamin D zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei, es trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei und es trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei. Diese Funktionen sind an das Vitamin geknüpft, nicht an eine bestimmte Herstellungsform.

Vitamin D2 (Ergocalciferol)

Vitamin D2 heißt mit chemischem Namen Ergocalciferol. Es entsteht in Pflanzen, Hefen und Pilzen, wenn deren Vorstufe (Ergosterol) mit UV-Licht in Kontakt kommt. Ein anschauliches Beispiel sind Pilze: Werden sie dem Sonnenlicht oder gezielter UV-Bestrahlung ausgesetzt, bilden sie messbare Mengen an Vitamin D2.

Weil D2 rein pflanzlichen bzw. pilzlichen Ursprungs ist, galt es lange als die „vegane" Vitamin-D-Form schlechthin. In der Praxis findet man es unter anderem in einigen angereicherten Lebensmitteln und in bestimmten Präparaten. Ein Nachteil: D2 gilt als etwas weniger stabil und wird häufig als weniger wirksam beim Anheben und Halten des Blutspiegels beschrieben – dazu gleich mehr.

Vitamin D3 (Cholecalciferol)

Vitamin D3 trägt den Namen Cholecalciferol. Es ist genau die Form, die auch unsere Haut unter Sonneneinstrahlung selbst herstellt. Über die Nahrung findet man D3 vor allem in tierischen Quellen: fettreicher Seefisch wie Lachs oder Hering, Lebertran, Eigelb und in kleineren Mengen in Milchprodukten.

Klassisch wurde D3 für Präparate aus tierischen Rohstoffen gewonnen – häufig aus dem Wollfett (Lanolin) von Schafen. Das ist der Grund, warum viele herkömmliche D3-Präparate nicht vegan sind. Inzwischen gibt es jedoch eine pflanzliche Alternative, die dieselbe D3-Form liefert: Vitamin D3 aus Flechten. Darauf gehen wir weiter unten ausführlich ein.

Der Unterschied: Herkunft & Wirksamkeit

Fassen wir die zwei zentralen Unterschiede zusammen.

1. Die Herkunft. Vitamin D2 stammt aus Pflanzen und Pilzen. Vitamin D3 stammt aus tierischen Quellen – oder, in der modernen veganen Variante, aus Flechten. Wer also allein auf die Herkunft schaut, könnte meinen, D2 sei automatisch die pflanzliche und D3 die tierische Form. Diese Faustregel stimmt heute nicht mehr, weil es auch veganes D3 gibt.

2. Die Wirksamkeit beim Anheben des Spiegels. Hier liegt der praktisch relevanteste Unterschied. Beide Formen werden im Körper über die Leber und die Niere zur aktiven Form umgebaut. Nach heutiger Facheinschätzung und Studienlage gilt jedoch: Vitamin D3 hebt den sogenannten 25-OH-Vitamin-D-Spiegel im Blut in der Regel zuverlässiger an und hält ihn länger stabil als eine vergleichbare Menge D2. Vereinfacht gesagt „bringt" die gleiche Menge D3 beim Blutwert häufig mehr auf die Waage. Deshalb ist D3 in der Beratungspraxis und bei den meisten Präparaten die bevorzugte Form.

Wichtig zur Einordnung: Bei den Mengenangaben sind sich die Formen einig. In den offiziellen Referenzwerten wird 1 Mikrogramm Vitamin D unabhängig von der Form angesetzt, und die Umrechnung lautet 1 Mikrogramm = 40 Internationale Einheiten (I.E.). Ein Präparat mit „20 µg (800 I.E.)" liefert also dieselbe deklarierte Menge, egal ob D2 oder D3 – nur die biologische Verwertung fällt zugunsten von D3 aus.

Was heißt das für die Praxis und den Kauf?

Für die allermeisten Menschen, die zu einem Präparat greifen, ist Vitamin D3 die naheliegende Wahl – schlicht, weil es den Spiegel zuverlässiger anhebt. In Drogerie und Apotheke ist D3 ohnehin die mit Abstand häufigste Variante. Vitamin D2 begegnet dir eher selten, etwa in einzelnen Spezialprodukten oder angereicherten Lebensmitteln.

Beim Kauf lohnt ein Blick auf drei Dinge:

  • Form: Steht „D3 / Cholecalciferol" oder „D2 / Ergocalciferol" auf dem Etikett? Für eine zuverlässige Wirkung auf den Blutspiegel ist D3 in der Regel die bessere Wahl.
  • Dosierung: Achte auf die Angabe in Mikrogramm und I.E. und orientiere dich an haushaltsüblichen, moderaten Mengen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt für die tägliche Ergänzung ohne besonderen ärztlichen Anlass eine Größenordnung von bis zu etwa 20 µg (800 I.E.) als gut vertretbar.
  • Darreichung: Weil Vitamin D fettlöslich ist, sind ölbasierte Tropfen oder Softgels beliebt. Mehr dazu, wie sich die Formen unterscheiden, liest du in unserem Ratgeber Kapsel oder Softgel? Der Unterschied einfach erklärt.

Häufig wird Vitamin D zusammen mit Vitamin K2 kombiniert. Warum diese Kombination so oft empfohlen wird, erklären wir im Beitrag Vitamin D3 + K2: Warum die Kombination entscheidend ist. Und wenn du wissen möchtest, worauf es bei der konkreten Produktauswahl ankommt, hilft dir Welches Vitamin-D-Präparat kaufen? weiter.

Vegan: D3 aus Flechten

Für Menschen, die tierische Produkte meiden, klang das Thema lange nach einem Dilemma: die wirksamere Form (D3) war tierisch, die pflanzliche Form (D2) galt als weniger zuverlässig. Genau diese Lücke schließt Vitamin D3 aus Flechten.

Flechten sind eine Symbiose aus Pilz und Alge und bilden – ähnlich wie tierische Quellen – echtes Cholecalciferol, also D3. Der entscheidende Punkt: Chemisch handelt es sich um dieselbe D3-Form wie beim tierischen Rohstoff, nur eben pflanzlich gewonnen. Damit lässt sich die bevorzugte D3-Form mit einer rein pflanzlichen Herkunft verbinden.

Wer sich vegan ernährt, muss also nicht auf D2 ausweichen, sondern kann zu einem als „vegan" ausgelobten D3-Präparat aus Flechten greifen. Achte dabei auf einen entsprechenden Hinweis auf der Verpackung, etwa „veganes D3" oder „D3 aus Flechten". Wie pflanzliche Quellen generell einzuordnen sind, beleuchten wir am Beispiel anderer Nährstoffe unter anderem im Ratgeber Was sind Antioxidantien? Einfach erklärt.

Ehrlich eingeordnet

So klar der Trend zu D3 auch ist – ein paar Dinge gehören zur ehrlichen Einordnung dazu. Erstens: Vitamin D2 ist keineswegs „unwirksam". Es ist echtes Vitamin D und wird ebenfalls in die aktive Form umgewandelt. Der Unterschied liegt in der Zuverlässigkeit und Dauer, mit der der Blutspiegel angehoben wird – nicht in einem grundsätzlichen Entweder-oder.

Zweitens: Der beste Weg zu einer guten Vitamin-D-Versorgung führt nicht zwingend über ein Präparat. Bei ausreichend Aufenthalt im Freien und maßvoller Sonnenbestrahlung der Haut sowie einer ausgewogenen Ernährung – etwa mit ein bis zwei Portionen fettreichem Seefisch pro Woche – lässt sich häufig eine gute Versorgung erreichen. Ein Präparat ist ein Baustein, kein Automatismus.

Drittens: Mehr ist nicht besser. Vitamin D ist fettlöslich und wird im Körper gespeichert; sehr hohe Dosen über lange Zeit können die Gesundheit beeinträchtigen. Für die dauerhafte Einnahme ohne ärztlichen Anlass sind daher moderate Mengen sinnvoll. Ob und in welcher Höhe eine Ergänzung für dich persönlich passt, lässt sich am besten anhand deines individuellen Vitamin-D-Status einschätzen – im Zweifel ärztlich abgeklärt.

Unterm Strich: D2 und D3 sind beides echtes Vitamin D. Für ein Präparat, das den Spiegel zuverlässig anheben soll, ist D3 in der Regel die bessere Wahl – und dank Flechten inzwischen auch in rein pflanzlicher Form verfügbar. Wenn du tiefer in verwandte Vitamine einsteigen willst, findest du weiterführende Grundlagen in unseren Ratgebern zu Vitamin K: Blutgerinnung, Knochen & K2 und Vitamin E: Das fettlösliche Antioxidans.

Häufige Fragen (FAQ)

Ist Vitamin D3 grundsätzlich besser als D2?

Beide sind echtes Vitamin D und werden im Körper zur aktiven Form umgebaut. Nach heutiger Facheinschätzung hebt Vitamin D3 den Vitamin-D-Spiegel im Blut jedoch meist zuverlässiger an und hält ihn länger stabil als die gleiche Menge D2. Deshalb ist D3 in der Praxis die bevorzugte Form.

Ist Vitamin D2 immer vegan und D3 immer tierisch?

Diese Faustregel stimmt heute nicht mehr. D2 stammt aus Pflanzen und Pilzen. D3 wurde klassisch aus tierischen Quellen (etwa Wollfett) gewonnen, gibt es inzwischen aber auch als veganes D3 aus Flechten. Wer vegan lebt, kann daher zu Flechten-D3 greifen und muss nicht auf D2 ausweichen.

Was bedeuten die Angaben µg und I.E. auf der Verpackung?

µg steht für Mikrogramm, I.E. für Internationale Einheiten. Beide beschreiben dieselbe Menge, nur in unterschiedlichen Einheiten. Die Umrechnung lautet 1 µg = 40 I.E. Ein Präparat mit „20 µg" entspricht also „800 I.E." – unabhängig davon, ob es sich um D2 oder D3 handelt.

Kann ich meinen Vitamin-D-Bedarf allein über die Sonne decken?

Der Körper bildet Vitamin D unter Sonneneinstrahlung in der Haut selbst, und bei ausreichend Aufenthalt im Freien lässt sich häufig eine gute Versorgung erreichen. In den dunklen Monaten und bei wenig Zeit draußen kann die Eigenbildung jedoch geringer ausfallen. Dann können Ernährung und gegebenenfalls ein Präparat unterstützen.

Wofür ist Vitamin D im Körper wichtig?

Für die anerkannten Funktionen gilt: Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei, es trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei und es trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei. Diese Aussagen gelten für Vitamin D allgemein, also sowohl für D2 als auch für D3.

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Gesundheitshinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in Schwangerschaft und Stillzeit oder bei der Einnahme von Medikamenten halte bitte Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt. So entstehen unsere Ratgeber →