Kurz erklärt

Rosmarinsäure ist ein sekundärer Pflanzenstoff aus der Gruppe der Polyphenole. Sie kommt vor allem in Lippenblütlern wie Rosmarin, Melisse, Salbei, Pfefferminze und Thymian vor und gehört chemisch zu den Kaffeesäure-Estern. Über Küchenkräuter, Kräutertees und mediterrane Speisen begegnet sie uns im Alltag praktisch täglich, meist ganz unbemerkt.

Wer Rosmarin, Melisse oder Salbei in der Küche verwendet, hat mit ziemlicher Sicherheit schon Rosmarinsäure aufgenommen, ohne es zu wissen. Dieser Pflanzenstoff trägt seinen Namen nach dem Rosmarin, kommt aber in einer ganzen Reihe von Küchenkräutern vor. In diesem Ratgeber erklären wir, was Rosmarinsäure chemisch ist, in welchen Pflanzen sie steckt und worauf Sie bei Kräutern und Extrakten achten können.

Was ist Rosmarinsäure?

Rosmarinsäure ist ein sekundärer Pflanzenstoff aus der großen Gruppe der Polyphenole. Chemisch gesehen handelt es sich um einen Ester aus Kaffeesäure und einer weiteren phenolischen Verbindung (Dihydroxyphenylmilchsäure). Sie zählt damit zu den sogenannten Hydroxyzimtsäure-Derivaten, einer verbreiteten Klasse pflanzlicher Farb- und Aromastoffe.

Sekundäre Pflanzenstoffe sind Verbindungen, die Pflanzen nicht für ihren Grundstoffwechsel bilden, sondern beispielsweise zur Abwehr von Fraßfeinden, gegen Umweltstress oder als Farbpigmente. Rosmarinsäure gehört zu den bekannteren Vertretern dieser Stoffgruppe und ist Gegenstand der Lebensmittel- und Pflanzenforschung. Ihren Namen erhielt sie, weil sie erstmals aus Rosmarin isoliert wurde.

Innerhalb der Polyphenole lässt sich Rosmarinsäure den Phenolsäuren zuordnen, genauer den Estern der Hydroxyzimtsäuren. Diese Stoffgruppe umfasst auch die weitverbreitete Chlorogensäure aus Kaffee oder die Ferulasäure aus Getreide. Was Rosmarinsäure auszeichnet, ist ihre gute Wasserlöslichkeit, weshalb sie beim Aufbrühen von Kräutertee zu einem beträchtlichen Teil in den Aufguss übergeht. In der Pflanze selbst sitzt sie überwiegend in den Blättern und trägt zum typischen herb-aromatischen Geschmack vieler Lippenblütler bei.

Woher kommt der Name und welche Synonyme gibt es?

Die Bezeichnung leitet sich vom lateinischen Rosmarinus officinalis ab, aus dem der Stoff zuerst gewonnen wurde. Im Englischen heißt sie rosmarinic acid. Gelegentlich taucht in älteren Quellen auch die Schreibweise Labiatensäure auf, benannt nach der Pflanzenfamilie der Lippenblütler (früher Labiatae, heute Lamiaceae), in der sie besonders häufig vorkommt. Verwechseln sollte man Rosmarinsäure nicht mit Rosmarinöl (dem ätherischen Öl) oder mit Carnosolsäure, einem anderen Rosmarin-Inhaltsstoff. Mehr zur Pflanze selbst finden Sie in unserem Ratgeber zu Rosmarin und seiner Anwendung.

In welchen Pflanzen kommt Rosmarinsäure vor?

Rosmarinsäure ist typisch für die Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Dazu gehören viele klassische Küchen- und Teekräuter. Besonders reichlich findet man sie in:

  • Rosmarin (Rosmarinus officinalis) – der Namensgeber
  • Melisse (Melissa officinalis) – die Zitronenmelisse gilt als eine der reichsten Quellen
  • Salbei (Salvia officinalis)
  • Pfefferminze und andere Minzen (Mentha)
  • Thymian, Oregano, Basilikum und Majoran

Auch außerhalb der Lippenblütler tritt der Stoff auf, etwa in bestimmten Boretsch- und Wegerichgewächsen. Der genaue Gehalt schwankt jedoch stark, abhängig von Pflanzenart, Sorte, Erntezeitpunkt, Standort und Verarbeitung. Frische, aromatische Kräuter und schonend getrocknete Ware enthalten in der Regel mehr sekundäre Pflanzenstoffe als lange gelagerte. Wer sich für die Auswahl von Salbei interessiert, findet Hinweise in unserem Beitrag Salbei kaufen: worauf achten.

Warum bildet die Pflanze diesen Stoff?

Für die Pflanze ist Rosmarinsäure kein Zufallsprodukt. Als sekundärer Pflanzenstoff erfüllt sie im Blattgewebe Schutzfunktionen: Sie gehört zum chemischen Abwehrarsenal, mit dem sich Lippenblütler gegen mikrobielle Angriffe, Fraßfeinde und Umweltstress wie starke Sonneneinstrahlung wappnen. Solche Stoffe werden häufig verstärkt gebildet, wenn die Pflanze widrigen Bedingungen ausgesetzt ist. Das erklärt auch, warum Kräuter aus sonnenreichen, kargen Standorten – etwa mediterrane Freilandware – oft besonders aromatisch sind: Aroma und Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen hängen eng zusammen. Für uns bedeutet das vor allem intensiveren Geschmack in der Küche.

In welchen Formen begegnet uns Rosmarinsäure?

Am naheliegendsten ist die Aufnahme über die Ernährung: über frische oder getrocknete Küchenkräuter, über Kräutertees aus Melisse, Salbei oder Pfefferminze sowie über mediterrane Gerichte, die reichlich Rosmarin und Oregano enthalten. Rosmarinsäure ist damit ein natürlicher Bestandteil einer kräuterreichen, pflanzenbetonten Kost. Gerade in der mediterranen Küche, in der Kräuter großzügig eingesetzt werden, kommt so über den Tag eine nennenswerte Menge zusammen – ohne dass man einzelne Stoffe zählen müsste.

Extrakte und Konzentrate

Darüber hinaus werden aus Melisse, Rosmarin oder Salbei standardisierte Extrakte hergestellt, die als Zutat in Nahrungsergänzungsmitteln oder Lebensmitteln dienen. Rosmarinextrakt ist zudem in der EU als Lebensmittelzusatzstoff (E 392) zugelassen und wird technologisch als Antioxidans zum Schutz von Fetten und Ölen vor dem Ranzigwerden eingesetzt. In dieser Funktion geht es um die Haltbarkeit des Lebensmittels, nicht um eine Wirkung im Körper.

Nahrungsergänzungsmittel

In Nahrungsergänzungsmitteln findet sich Rosmarinsäure meist nicht isoliert, sondern als Teil eines Pflanzenextrakts, etwa aus Melissenblättern oder Rosmarinblättern. Solche Produkte sind rechtlich Lebensmittel und dienen der Ergänzung der normalen Ernährung, nicht dem Ersatz einer abwechslungsreichen Kost.

Zubereitung: So bleibt möglichst viel erhalten

Weil Rosmarinsäure gut wasserlöslich ist, spielt die Zubereitung eine Rolle dafür, wie viel davon im fertigen Gericht oder Getränk landet. Ein paar praktische Anhaltspunkte:

  • Kräutertee: Frisch aufgebrühte Melissen-, Salbei- oder Pfefferminztees geben wasserlösliche Pflanzenstoffe an den Aufguss ab. Ein zugedecktes Ziehen von einigen Minuten hilft, mehr Aroma- und Inhaltsstoffe zu lösen.
  • Frische Kräuter: Zum Ende der Garzeit zugegeben, bleiben Aroma und hitzeempfindliche Bestandteile besser erhalten als bei langem Mitkochen.
  • Lagerung: Getrocknete Kräuter am besten dunkel, trocken und luftdicht aufbewahren. Licht, Sauerstoff und Feuchtigkeit bauen Aroma- und Pflanzenstoffe mit der Zeit ab.

Diese Hinweise betreffen ausschließlich Geschmack und Erhalt der natürlichen Inhaltsstoffe – sie sind kein Versprechen bestimmter Effekte im Körper.

Rosmarinsäure in der Ernährung: Einordnung

Rosmarinsäure ist einer von vielen tausend sekundären Pflanzenstoffen, die wir über pflanzliche Lebensmittel aufnehmen. Ernährungsfachgesellschaften empfehlen generell eine abwechslungsreiche, pflanzenbetonte Kost mit reichlich Gemüse, Obst, Kräutern und Gewürzen – nicht die gezielte Zufuhr einzelner isolierter Stoffe. Wer viele frische Kräuter, Salate und mediterrane Speisen isst, nimmt Polyphenole wie Rosmarinsäure ganz automatisch und in natürlicher Kombination auf.

Für Rosmarinsäure selbst gibt es keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe (Health Claim) der EU. Aussagen über konkrete gesundheitliche Effekte sind daher rechtlich nicht zulässig und wären auch fachlich nicht belastbar. Wir beschreiben den Stoff hier bewusst nur als natürlichen Pflanzeninhaltsstoff und Teil der Ernährung. Wer sich allgemein mit polyphenolreichen Lebensmitteln beschäftigen möchte, findet einen Überblick in unserem Ratgeber zu antioxidantienreichen Lebensmitteln.

Wichtig ist die Einordnung in den Gesamtzusammenhang: Kein einzelner Pflanzenstoff macht eine Ernährung gut oder schlecht. Der Nutzen einer pflanzenbetonten Kost ergibt sich aus dem Zusammenspiel unzähliger Inhaltsstoffe, aus Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und eben der ganzen Bandbreite sekundärer Pflanzenstoffe. Rosmarinsäure ist ein interessanter Baustein dieses Mosaiks, mehr aber auch nicht. Wer bewusst zu frischen Kräutern, Salaten und mediterranen Gerichten greift, muss sich um die Zufuhr einzelner Stoffe keine Gedanken machen.

Woran erkennt man gute Qualität?

Ob als Kräuter, Tee oder Extrakt – bei Produkten, die einen relevanten Gehalt an Rosmarinsäure bieten sollen, lohnt ein Blick auf einige Punkte:

  • Herkunft und Frische: Aromatische, kräftig duftende Kräuter deuten auf einen guten Gehalt an Aroma- und Pflanzenstoffen hin. Schonende Trocknung und lichtgeschützte Lagerung erhalten die Inhaltsstoffe besser.
  • Klare Deklaration: Bei Extrakten sollte erkennbar sein, aus welcher Pflanze und welchem Pflanzenteil (Blatt, Kraut) der Extrakt stammt und ob er standardisiert ist.
  • Reinheit und Prüfung: Seriöse Anbieter lassen ihre Rohstoffe auf Schwermetalle, Pestizide und mikrobiologische Belastung prüfen. Fragen Sie im Zweifel nach Analysenzertifikaten.
  • Realistische Auslobung: Vorsicht bei Produkten, die konkrete Heilversprechen machen – das ist bei Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln nicht zulässig und ein Warnsignal für unseriöse Anbieter.

Für den Alltag gilt: Wer ohnehin gern mit Kräutern kocht und Kräutertees trinkt, deckt seinen Bedarf an solchen Pflanzenstoffen auf angenehme und preiswerte Weise ab. Extrakte und Nahrungsergänzungsmittel sind eine Möglichkeit, aber keine Voraussetzung. Bei bestehenden Erkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit oder bei der Einnahme von Medikamenten sollten Sie den Einsatz konzentrierter Pflanzenextrakte vorab ärztlich abklären, da hier andere Maßstäbe gelten als für die Prise Kräuter im Essen.

Häufige Fragen (FAQ)

Ist Rosmarinsäure dasselbe wie Rosmarinöl?

Nein. Rosmarinsäure ist ein einzelner, wasserlöslicher Pflanzenstoff aus der Gruppe der Polyphenole. Rosmarinöl dagegen ist das ätherische Öl des Rosmarins, ein Gemisch flüchtiger, fettlöslicher Aromastoffe wie Cineol und Kampfer. Beide stammen aus derselben Pflanze, sind aber chemisch völlig unterschiedlich.

In welchen Kräutern steckt am meisten Rosmarinsäure?

Besonders reich sind Lippenblütler wie Melisse, Rosmarin, Salbei, Pfefferminze, Thymian und Oregano. Zitronenmelisse gilt als eine der ergiebigsten Quellen. Der tatsächliche Gehalt schwankt je nach Sorte, Anbau, Erntezeit und Verarbeitung teils erheblich.

Kann ich Rosmarinsäure über normale Ernährung aufnehmen?

Ja. Wer regelmäßig frische oder getrocknete Küchenkräuter verwendet, Kräutertees trinkt oder mediterran kocht, nimmt Rosmarinsäure ganz selbstverständlich über die Nahrung auf – eingebettet in die natürliche Vielfalt weiterer Pflanzenstoffe.

Was bedeutet die Zutat E 392 auf Lebensmitteln?

E 392 steht für Extrakt aus Rosmarin, der in der EU als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen ist. Er wird technologisch eingesetzt, um Fette und Öle in Lebensmitteln vor dem Ranzigwerden zu schützen und die Haltbarkeit zu verbessern. Das betrifft das Produkt, nicht eine Wirkung im Körper.

Sind Nahrungsergänzungsmittel mit Rosmarinsäure nötig?

Nahrungsergänzungsmittel sind rechtlich dazu gedacht, die normale Ernährung zu ergänzen, und ersetzen keine abwechslungsreiche, pflanzenbetonte Kost. Ob ein solches Produkt für Sie sinnvoll ist, klären Sie am besten individuell mit Ärztin oder Arzt beziehungsweise einer Ernährungsfachkraft.

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Gesundheitshinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in Schwangerschaft und Stillzeit oder bei der Einnahme von Medikamenten halte bitte Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt. So entstehen unsere Ratgeber →

Quellen

  1. Rosmarin (Rosmarinus officinalis) – Monografie und Inhaltsstoffe — Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), HMPC, 2010
  2. Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 über Lebensmittelzusatzstoffe (Extrakt aus Rosmarin, E 392) — Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union (EUR-Lex), 2008
  3. Sekundäre Pflanzenstoffe und ihre Bedeutung für die Gesundheit — Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), 2023
  4. Nahrungsergänzungsmittel: Was Verbraucher wissen sollten — Verbraucherzentrale, 2024