Kurz erklärt

Der Japanische Staudenknöterich (Polygonum cuspidatum, auch Fallopia japonica) ist die botanische Hauptquelle für Resveratrol in Nahrungsergänzungsmitteln. Verwendet wird die getrocknete Wurzel, die neben trans-Resveratrol auch Polydatin und Emodin enthält. Standardisierte Wurzelextrakte liefern konstante Resveratrol-Gehalte, meist zwischen 50 und 98 Prozent.

Wenn auf einem Resveratrol-Präparat der Zusatz „aus Polygonum cuspidatum“ steht, ist damit fast immer der Japanische Staudenknöterich gemeint. Diese Pflanze ist heute die wichtigste botanische Quelle für Resveratrol in der Nahrungsergänzung – noch vor der Weintraube. Dieser Ratgeber erklärt, was hinter dem Namen steckt, welche Inhaltsstoffe die Wurzel liefert und woran Sie einen guten Extrakt erkennen.

Was ist der Japanische Staudenknöterich?

Der Japanische Staudenknöterich ist eine mehrjährige, krautige Pflanze aus der Familie der Knöterichgewächse (Polygonaceae). Ursprünglich in Ostasien – vor allem in Japan, China und Korea – beheimatet, wächst er dort an Böschungen, Bachläufen und in der Nähe vulkanischer Böden. Botanisch trägt er zwei geläufige Namen: Polygonum cuspidatum ist die ältere Bezeichnung, Fallopia japonica die neuere Zuordnung. Beide Namen meinen dieselbe Art; in der Fachliteratur und auf Etiketten tauchen sie parallel auf.

In Europa und Nordamerika ist die Pflanze vor allem als hartnäckiger Neophyt bekannt: Sie breitet sich rasch aus, bildet dichte Bestände und ist schwer zu verdrängen. Genau diese Robustheit hängt mit ihrem Stoffwechsel zusammen – der Staudenknöterich bildet zur eigenen Abwehr eine ganze Reihe von Polyphenolen, die ihn für die Extraktherstellung so interessant machen. Resveratrol gehört zu den sogenannten Phytoalexinen, also Abwehrstoffen, die eine Pflanze unter Stress, etwa bei Pilzbefall, verstärkt produziert. Das erklärt, warum eine unter widrigen Bedingungen wachsende Wildpflanze zu einem so ergiebigen Rohstofflieferanten geworden ist.

Traditionelle Verwendung in Ostasien

In seinen Herkunftsländern ist der Staudenknöterich seit Langem als Nutz- und Wildpflanze bekannt. In China trägt die getrocknete Wurzel den Namen „Hu Zhang“, in Japan wird die Pflanze „Itadori“ genannt; die jungen Triebe werden dort regional auch als Gemüse zubereitet. Diese lange Vertrautheit mit der Pflanze ist ein Grund, warum gerade ihre Wurzel früh als Rohstoff für standardisierte Extrakte in den Fokus rückte. Wichtig ist die Abgrenzung: Historische Verwendung ist eine kulturelle Einordnung und begründet keine gesundheitsbezogene Aussage für ein heutiges Nahrungsergänzungsmittel.

Warum die Wurzel und nicht das Blatt?

Für Extrakte wird nahezu ausschließlich die Wurzel und das Rhizom (der unterirdische Wurzelstock) verwendet. Der Grund ist einfach: Resveratrol und verwandte Verbindungen reichern sich vor allem in den Wurzeln an, während Stängel und Blätter deutlich geringere Gehalte aufweisen. Untersuchungen zur Qualität von Fallopia japonica als Resveratrol-Rohstoff zeigen zudem, dass der Gehalt jahreszeitlich schwankt und in den Wurzeln typischerweise im Herbst am höchsten liegt.

Die Wurzeln werden geerntet, gereinigt, getrocknet und anschließend zu einem Pulver verarbeitet, das als Ausgangsmaterial für die Extraktion dient. Aus diesem Rohstoff werden dann die wertgebenden Polyphenole herausgelöst und aufkonzentriert. Für die Extraktion kommen unterschiedliche Verfahren infrage – von der klassischen Extraktion mit Wasser oder Ethanol bis hin zur schonenden Extraktion mit überkritischem CO₂. Das gewählte Verfahren beeinflusst mit, wie rein das Endprodukt ausfällt und wie gut sich unerwünschte Begleitstoffe abtrennen lassen.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe im Überblick

Der Wurzelextrakt des Staudenknöterichs ist kein reiner Einzelstoff, sondern ein Gemisch verschiedener sekundärer Pflanzenstoffe. Die für die Nahrungsergänzung relevanten Komponenten sind:

  • trans-Resveratrol: das namensgebende Stilben-Polyphenol und der Leitstoff, an dem hochwertige Extrakte standardisiert werden. Die trans-Form gilt als die stabilere und in der Forschung am besten untersuchte Variante.
  • Polydatin (Piceid): ein an einen Zuckerbaustein gebundenes „Vorstufen“-Molekül des Resveratrols. Es kommt in der Wurzel oft in beträchtlicher Menge vor und wird im Körper teilweise zu Resveratrol umgewandelt.
  • Emodin: ein Anthrachinon, das dem Wurzelmaterial natürlicherweise anhaftet. Emodin ist ein Punkt, den seriöse Hersteller im Blick behalten (siehe Abschnitt Qualität).
  • Weitere Polyphenole: unter anderem Anthrachinon-Derivate und Flavonoide, die das natürliche Stoffspektrum abrunden.

Der Begriff Polydatin verdient dabei eine kurze Einordnung: Chemisch ist es das Glucosid des Resveratrols, also Resveratrol mit einem angehängten Zuckerbaustein. Diese Bindung macht das Molekül wasserlöslicher und stabiler. In der Wurzel liegt ein erheblicher Teil des „Resveratrol-Potenzials“ tatsächlich als Polydatin vor, weshalb manche Analysen den Gesamtgehalt beider Stoffe zusammen ausweisen. Für den Vergleich von Produkten ist es hilfreich zu wissen, ob eine Prozentangabe sich auf reines trans-Resveratrol oder auf die Summe der Stilbene bezieht.

Wie Resveratrol grundsätzlich in die große Gruppe der Polyphenole einzuordnen ist und was es von den Polyphenolen der Traube unterscheidet, lesen Sie im Ratgeber Resveratrol – das Polyphenol der Traube.

Staudenknöterich versus Traube als Resveratrol-Quelle

Resveratrol kommt in der Natur an vielen Stellen vor – in der Schale roter Weintrauben, in Erdnüssen, in einigen Beeren. Der praktische Nachteil dieser Quellen: Der Gehalt ist gering und stark schwankend. Um eine standardisierte Menge Resveratrol zu gewinnen, wären große Mengen Traubenmaterial nötig.

Die Wurzel des Staudenknöterichs enthält dagegen von Natur aus eine deutlich höhere Konzentration. Deshalb ist Polygonum cuspidatum zum Standardrohstoff für konzentrierte Resveratrol-Präparate geworden, während Traubenextrakte eher dort eingesetzt werden, wo das breitere Polyphenol-Spektrum der Traube gewünscht ist. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung – entscheidend ist, was auf dem Etikett tatsächlich deklariert und standardisiert ist.

Extraktverhältnis und Standardisierung verstehen

Zwei Begriffe helfen, die Qualität eines Extrakts einzuschätzen:

Das Extraktverhältnis (DEV)

Das Droge-Extrakt-Verhältnis gibt an, wie viel getrocknetes Wurzelmaterial in einer Einheit Extrakt steckt – etwa 20:1. Es beschreibt die Konzentrierung, sagt für sich genommen aber noch nichts über den genauen Resveratrol-Gehalt aus.

Die Standardisierung

Aussagekräftiger ist die Angabe des standardisierten Wirkstoffanteils, zum Beispiel „standardisiert auf 50 % trans-Resveratrol“. Solche Extrakte gibt es in einer breiten Spanne, häufig zwischen etwa 50 und 98 Prozent. Aus dieser Prozentangabe und der Kapselmenge lässt sich der tatsächliche Resveratrol-Gehalt je Portion berechnen – die eigentlich wichtige Zahl.

Worauf Sie beim Kauf im Detail achten sollten, von der Deklaration bis zur Reinheit, haben wir im Ratgeber Resveratrol kaufen – worauf achten zusammengefasst.

Qualität: Woran Sie einen guten Wurzelextrakt erkennen

Weil der Ausgangsstoff eine Wildpflanze mit natürlichem Begleitstoffprofil ist, ist die Aufreinigung ein Qualitätsmerkmal. Achten Sie auf folgende Punkte:

  • Klare Standardisierung: Der trans-Resveratrol-Gehalt sollte in Prozent und in Milligramm je Tagesportion ausgewiesen sein.
  • trans-Form deklariert: Gute Produkte nennen ausdrücklich trans-Resveratrol, nicht nur unspezifisches „Resveratrol“.
  • Emodin-Reduktion und Schadstoffprüfung: Seriöse Hersteller kontrollieren den natürlichen Emodin-Anteil sowie mögliche Rückstände (Schwermetalle, Pestizide, Lösungsmittel) durch Laboranalysen.
  • Herkunft und Chargenprüfung: Nachvollziehbare Herkunft des Wurzelmaterials und Analysenzertifikate je Charge sprechen für Transparenz.

Ein hoher Prozentwert allein ist kein Qualitätssiegel – erst im Zusammenspiel mit sauberer Aufreinigung und geprüfter Reinheit ergibt sich ein hochwertiger Extrakt. Ein weiterer Aspekt ist die Stabilität: trans-Resveratrol ist licht- und sauerstoffempfindlich und kann sich unter ungünstigen Bedingungen in die weniger untersuchte cis-Form umwandeln. Gute Produkte tragen dem durch eine lichtgeschützte, dicht verschlossene Verpackung Rechnung. Auch die Lagerung zu Hause – kühl, trocken und dunkel – trägt dazu bei, dass der deklarierte Gehalt über die Haltbarkeit erhalten bleibt.

Einnahme und Einordnung als Nahrungsergänzungsmittel

Extrakte aus Japanischem Staudenknöterich werden in Deutschland als Lebensmittel in Form von Nahrungsergänzungsmitteln angeboten – meist als Kapseln oder Pulver. Sie ersetzen keine abwechslungsreiche Ernährung und sind kein Arzneimittel. Für Resveratrol aus dieser Quelle gibt es derzeit keine von der EU zugelassene gesundheitsbezogene Angabe; entsprechend darf und soll ein solches Produkt nicht mit Wirkversprechen beworben werden.

Hinweise zur Dosierung, zur Einnahme zu einer Mahlzeit und zu sinnvollen Kombinationen – etwa mit fettreicher Kost – finden Sie im Ratgeber Resveratrol – Einnahme und Kombination. Wer Medikamente einnimmt, schwanger ist, stillt oder Vorerkrankungen hat, sollte die Einnahme grundsätzlich vorab ärztlich abklären. Das gilt besonders, weil Polyphenole wie Resveratrol mit dem Stoffwechsel bestimmter Arzneimittel in Wechselwirkung treten können – hier ist eine individuelle Einschätzung durch Ärztin oder Arzt der richtige Weg. Ein Nahrungsergänzungsmittel ist als Ergänzung gedacht, nicht als Ersatz für eine ausgewogene Ernährung oder eine medizinische Behandlung.

Häufige Fragen (FAQ)

Ist Polygonum cuspidatum dasselbe wie Fallopia japonica?

Ja. Es handelt sich um zwei botanische Namen für dieselbe Pflanze, den Japanischen Staudenknöterich. Polygonum cuspidatum ist die ältere, Fallopia japonica die neuere Bezeichnung. Auf Etiketten und in Studien werden beide Namen verwendet.

Welcher Pflanzenteil liefert das Resveratrol?

Verwendet wird die getrocknete Wurzel beziehungsweise das Rhizom. Dort reichern sich Resveratrol, Polydatin und weitere Polyphenole in deutlich höherer Konzentration an als in Stängel und Blättern, die für die Extraktherstellung kaum eine Rolle spielen.

Warum wird Staudenknöterich statt Weintrauben verwendet?

Die Wurzel enthält von Natur aus einen wesentlich höheren Resveratrol-Gehalt als die Schale roter Trauben. Dadurch lassen sich standardisierte, konzentrierte Extrakte effizienter und mit gleichmäßigerem Gehalt herstellen. Traubenextrakte werden eher wegen ihres breiteren Polyphenol-Spektrums eingesetzt.

Was bedeutet „standardisiert auf 50 % Resveratrol“?

Die Angabe beschreibt, welcher Anteil des Extrakts aus trans-Resveratrol besteht. Bei 50 % liefert ein Gramm Extrakt rechnerisch 500 Milligramm Resveratrol. Zusammen mit der Kapselmenge lässt sich so der tatsächliche Gehalt je Portion bestimmen – die aussagekräftigste Kennzahl beim Vergleich von Produkten.

Ist der Emodin-Gehalt ein Thema?

Emodin ist ein natürlicher Begleitstoff der Wurzel. Qualitativ gute Extrakte werden so aufgereinigt, dass der Emodin-Anteil niedrig gehalten und laborseitig kontrolliert wird. Achten Sie deshalb auf Hersteller, die Reinheit und Begleitstoffe transparent per Analysenzertifikat ausweisen.

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Gesundheitshinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in Schwangerschaft und Stillzeit oder bei der Einnahme von Medikamenten halte bitte Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt. So entstehen unsere Ratgeber →

Quellen

  1. Quality Assessment of Japanese Knotweed (Fallopia japonica) as a Source of Resveratrol — Journal of Agricultural and Food Chemistry (ACS), 2013
  2. In Vitro Comparison of the Bioactivities of Japanese and Bohemian Knotweed Ethanol Extracts — Foods / NCBI PMC, 2020
  3. Resveratrol — Linus Pauling Institute, Micronutrient Information Center, 2015
  4. EU-Register zu nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben über Lebensmittel — Europäische Kommission, 2024